Die Temperaturen steigen, die Sonne scheint wieder häufiger und die Menschen verbringen endlich wieder viel Zeit im Freien. Was gibt es bei sommerlichen Temperaturen schöneres, als einen ausgedienten Spaziergang durch Kassels Parks zu unternehmen?

Im folgenden Artikel liest du, warum ich so gerne spazieren gehe, was ein Ausflug in die Natur mit Inklusion zu tun hat und warum ein Spaziergang im Grünen mir dabei hilft meine Blindheit besser zu akzeptieren und damit umzugehen.

Samstagmorgen 5:30 Uhr in der Kasseler Karlsaue. Nur ganz wenige Menschen sind zu so früher Stunde an diesem sonnigen Morgen schon auf den Beinen. Zu den wenigen Menschen gehören dieses Mal auch meine Frau und ich dazu. Trotz der frühen Stunde ist es schon angenehm warm. Die Vögel singen, die gerade erst aufgegangene Sonne lacht uns ins Gesicht und es duftet herrlich nach Blumen, saftigen Gras und Frühling. Ruhig und friedlich liegt sie da, die Karlsaue. Die Sonne, die singenden Vögel, der sanfte frische Wind, der einen durchs Gesicht streicht und durch die Bäume rauscht; es scheint fast so als würde die Welt nur aus solch friedlichen Momenten bestehen. Selbst das Rauschen von Autos, welches aus weiter Ferne zu uns dringt, fügt sich an diesem Morgen wunderbar in das friedliche akustische Bild ein.

Doch warum steht man an einem Samstag morgen zu so früher Stunde auf und geht spazieren? Der freie Samstag ist doch zum Ausschlafen da, mag nun der ein oder andere denken. Und so ganz unrecht hat er damit selbstverständlich nicht. Und trotzdem lohnt es sich ab und zu auf ein paar Stunden Schlaf zu verzichten und einen Spaziergang am Morgen zu machen.

Für mich ist es vor allem die bereits beschriebene friedliche und ruhige Atmosphäre, die jeder frühe Morgen inne hat. Morgens wirkt die Natur noch herrlich unberührt. So lässt sich wunderbar abschalten und den Alltag für eine Weile hinter sich lassen. Das funktioniert zweifellos auch zu anderen Tageszeiten. Nicht jeder Mensch steht gerne so früh auf, dass er bei Sonnenaufgang spazieren gehen kann.

In der Schöpfung sind alle gleichberechtigt

Ein Gedanke, der mir des Öfteren beim Spazierengehen durch den Kopf geht ist, dass wir in der Natur alle gleichberechtigte Geschöpfe unseres Schöpfers sind. Dies wird mir besonders aus zwei Perspektiven bewusst.

Zum einen lässt sich die Natur wirklich mit allen Sinnen genießen. Ich muss nicht sehen können um zu bemerken, dass viele Blumen blühen, weil man dies auch riechen oder fühlen kann. Ich muss nicht sehen können, um die Sonne zu genießen, weil ich ihre Wärme auch auf meiner Haut spüre. Und ich brauche keine funktionierende Augen um die Vögel zu beobachten, weil ich ihren schönen Gesang oder ihren Flügelschlag auch hören kann. Die Natur zeigt sich jedem Menschen so, wie er sie am besten wahrnehmen kann. Jeder, der sich darauf einlässt wird wohl einen Zugang finden. Dies zeigt sich immer wieder, wenn ich mit meiner sehenden Frau spazieren gehe. Wir berichten uns dann immer gegenseitig, was und wie wir die Natur wahrnehmen. Sie berichtet von ihren Eindrücken, die sie durch ihre Augen bekommt und ich erzähle von dem, was ich höre, rieche oder fühle.

Dabei stellen wir fest, dass man sich auch gegenseitig auf die Perspektive des Anderen einlassen kann. Wenn meine Frau beispielsweise eine schöne Blume oder einen interessanten Baumstamm findet, führt sie mich dort hin, damit ich fühlen kann was sie sieht.

Umgekehrt kann ich ihr beispielsweise erzählen, dass irgendwo in der Nähe ein Bach fließt und sie dann dort hinführen.

Im übrigen ist dieses Austauschen auch ein gutes Beispiel dafür, wie Inklusion im Alltag funktionieren kann. Alltägliche Inklusion ist meistens nichts kompliziertes oder abstrakte Theorie, sondern beginnt bereits dort, wo zwei Menschen bereit sind aus der Perspektive des Anderen zu sehen.

Ein anderer Gedanke ist die Liebe des Schöpfers zu seinen Geschöpfen. Als Christ glaube ich daran, dass es einen Gott gibt, der die tolle Natur und die wunderschöne Geschöpfe, die man beispielsweise in der Karlsaue bewundern kann geschaffen hat. Und er hat auch uns Menschen mit genauso viel Liebe und Hingabe geschaffen. Das bedeutet dann auch, dass er auch Menschen mit einer Behinderung geschaffen hat und liebt. Hierbei kommt mir dann noch ein neuer Gedanke, während ich zusammen mit meiner Frau weiter durch die Karlsaue schlendere und uns die Sonne immer stärker ins Gesicht scheint. Auch in der Tierwelt kommt Blindheit ganz natürlicherweise vor. Unzählige Tiere sind entweder vollkommen blind oder zumindest stark eingeschränkt in ihrem Sehen, beispielsweise Maulwürfe oder Fledermäuse. Und auch diese Tiere wissen, wie sie gut überleben können und sind von ihrem Schöpfer geliebt.

Es ist also völlig in Ordnung etwas nicht so gut zu können. Man darf auch Schwächen haben und ganz selbstbewusst dazu stehen, denn so wie jeder Mensch Schwächen hat, hat jeder auch Gaben und Stärken.

Eine gute Freundin sagt immer zu mir: „Wir alle haben auf die ein oder andere Weise ein Handicap, weil niemand perfekt ist! Und wenn niemand perfekt ist, ist es auch in Ordnung blind zu sein!“

Für mich sind dies alles sehr ermutigende und kraftspendende Gedanken. Gedanken, die so gar nicht in unsere Welt voller Leistungsdruck und Zwang zum Perfektionismus passen.

Ein Spaziergang in der Natur ist deshalb für mich auch immer irgendwie ein Ausstieg aus dem alltäglichen Leben, wo es meistens nur um „Höher! Schneller! Weiter!“ geht. Es tut gut zu wissen, dass es auch Freiräume und Auszeiten von diesem Alltagstrott gibt.

Ermutigt und gestärkt beenden wir unseren Morgenspaziergang und freuen uns auf einen donnigen Frühsommertag in der Stadt.

Eine Liste mit Plätzen in Kassel, an denen ich die warme Zeit im Jahr besonders gerne genieße gibt es hier

Einen Artikel zu den weltberühmten Wasserspielen im Bergpark Wilhelmshöhe gibt es an dieser Stelle.

Perspektivwechsel wünscht allen Lesern eine schöne Sommerzeit!

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