Wenn Gott im Abgrund mitweint: Warum Klage der Weg zur Hoffnung ist

Wir alle kennen die Momente, in denen der Glaube wackelt. In meiner Predigt am 22. Februar in Darmstadt bin ich der Frage nachgegangen, wo Gott im Leid eigentlich steckt. In diesem Beitrag habe ich die wichtigsten Gedanken für dich zusammengefasst: Warum echte Klage kein Zeichen von Schwäche ist, sondern der mutigste Weg, um Gott neu zu begegnen.

Die Sprachlosigkeit überwinden: Warum wir das Klagen neu lernen müssen

Kennst du das Gefühl, wenn im Leben plötzlich „die Luft raus ist“? Vielleicht liegt es an der Weltlage, an persönlichen Krisen oder einer schleichenden Erschöpfung. Oft versuchen wir dann, diese negativen Gefühle professionell wegzudrücken, weil wir glauben, ein guter Christ müsse immer positiv sein. Doch dieser Druck führt meist nur zu einer inneren Distanz zu Gott.

Die gute Nachricht ist: Gott hält unsere Erschütterung aus. In meinem Studium der Theologie lerne ich immer wieder, wie wichtig ehrliche Räume für unsere Schattenseiten sind. Um diese Räume zu füllen, müssen wir jedoch zuerst verstehen, dass Klagen kein Zeichen von Unglauben ist.

Die Klage ist keine Sackgasse, sondern eine Brücke

Oft verwechseln wir Klagen mit destruktivem Meckern. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied, den wir in der Bibel, etwa bei Jeremia oder in den Psalmen, finden: Meckern dreht sich im Kreis und schließt Gott aus. Die biblische Klage hingegen ist ein mutiger Akt der Beziehung.

Wer klagt, redet noch mit Gott. Er wirft ihm seine Fragen, seinen Zorn und seine Not direkt vor die Füße. Diese Ehrlichkeit ist das Gegenteil von „wässrigem“ Glauben – sie ist das Fundament einer belastbaren Gottesbeziehung. Erst wenn wir unsere Not aussprechen, schaffen wir den Platz für eine Begegnung, die tiefer geht als bloße Theorie.

Gott schwebt nicht über den Dingen – er sitzt mit uns im Dreck

Wenn wir uns trauen, ehrlich zu klagen, stoßen wir unweigerlich auf die Frage: „Wo ist Gott eigentlich, wenn es wehtut?“. Die Antwort, die wir am Kreuz von Jesus finden, ist radikal und schmerzhaft zugleich: Gott ist kein unbeteiligter Zuschauer.

In Jesus Christus hat Gott sich so tief mit uns identifiziert, dass er selbst durch den Abgrund der Gottesverlassenheit gegangen ist. Er kennt das Gefühl, wenn Gott weit weg scheint. Das bedeutet für dich heute: In deinem Schmerz bist du nicht allein. Gott sitzt mit dir im Dreck, er hält deine Dunkelheit mit dir aus und weint mit dir über das, was zerbrochen ist. Dieser „Gott im Abgrund“ ist der einzige, der uns wirklich verstehen kann.

Hoffnung bedeutet nicht Optimismus, sondern Vertrauen

Aus dieser tiefen Solidarität Gottes erwächst eine Form von Hoffnung, die nichts mit billigem Zweckoptimismus zu tun hat. Wahre Hoffnung ist kein Gefühl, sondern eine Haltung: das aktive Rechnen mit Gottes Gegenwart.

Wie wir es in Psalm 23 lesen, führt der Weg oft durch das finstere Tal, nicht daran vorbei. Hoffnung bedeutet hier, darauf zu vertrauen, dass der Hirte auch dann da ist, wenn wir ihn nicht sehen können. Wir dürfen unseren „schweren Rucksack“ an ihn abgeben, weil er uns versprochen hat, uns durchzutragen.

Was bleibt hängen? (Dein Perspektivwechsel)

Deine Übung: Formuliere für dich heute eine einzige ehrliche Frage an Gott. Du musst keine Antwort wissen – es reicht, die Frage zu stellen.

Am 22. Februar 2026 habe ich in der evangelischen Stadtmission Darmstadt zum Thema vom Verlassen sein und nach Hause kommen (Jeremia 14,1-9) gepredigt. ich spreche über diese Fragen von Verlassen sein von Gott, über einen Gott, der sich in unserem Leid und Schmerz mit uns solidarisiert und die Hoffnung und das nach Hause kommen, was dadurch entsteht.

Hör hier die gesamte Predigt:

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