Im ersten Teil der Serie wie gehe ich mit einem Blinden um ging es um die Begrüßung und Kontaktaufnahme.

Im zweiten Teil geht es um Tipps im Straßenverkehr.  Zunächst noch einmal der Hinweis, dass es sich bei der folgenden Liste nur um Tipps und Anregungen handelt, die aus meiner persönlichen Erfahrung entstanden sind.   Erfahrungsgemäß geht jeder Blinde  Anders mit seiner Behinderung um und hat dem entsprechend oftmals auch andere Vorstellungen davon, was ihm hilft und was nicht.  Die Liste erhebt daher weder den Anspruch auf Vollständigkeit, noch auf absolute Richtigkeit.  

Biete freundlich deine Hilfe an

Wenn du das Gefühl hast, dass ein blinder Mensch Hilfe gebrauchen könnte, sprich ihn freundlich an und biete ihm deine Hilfe an. Sätze wie „Entschuldigung, darf ich Ihnen helfen?“ eignen sich hierbei ziemlich gut. Nimmt der blinde Mensch die Hilfe an, biete ihm deinen Arm oder die Schulter an, dass er sich daran festhalten kann. Wichtig: du solltest beim Führen darauf achten, dass du immer etwa einen halben Schritt vor dem blinden Menschen läufst. Nur so lässt sich ein Blinder gut und sicher auch an Hindernissen vorbei führen.

Falls möglich: Den Blinden ansprechen bevor man ihn berührt

Viele Menschen wissen oft nicht wie man einen Blinden ansprechen kann, wenn man seine Hilfe anbieten möchte. Deshalb nehmen sie dem Blinden oft einfach am Arm und führen ihn so über die Straße oder um ein Hindernis herum. Allerdings ist es für blinde Menschen oft sehr erschreckend, wenn man plötzlich am Arm gepackt wird und irgendwo hin gezogen wird. Als Blinder ist man in der Regel sehr konzentriert und fokussiert beim Laufen. Wird man plötzlich ohne Vorwarnung angefasst, erschrecken sich viele Blinde und sind von ihrer Konzentration abgelenkt. Viele Menschen empfinden es auch als sehr unangenehm und Eingriff in die Privatssphäre, wenn man plötzlich angefasst wird. Besser ist es deshalb den Blinden vorher kurz anzusprechen. Jedoch kann es auch Situationen geben, in denen einfach nicht die Zeit da ist, den Blinden vorher anzusprechen. Läuft ein Blinder zum Beispiel, ohne dass er es merkt auf eine befahrene Straße, ist es gerechtfertigt, den Blinden am Arm zu packen und von der Straße herunter zu führen, ohne ihn vorher angesprochen zu haben.

Benutze markante Orientierungspunkte bei einer Wegbeschreibung

Nicht selten kommt es vor, dass Blinde nach dem Weg fragen müssen. Hilfreich ist es, wenn du nach markanten Orientierungspunkten suchst, die auf dem Weg des Blinden liegen. Wichtig hierbei ist allerdings, dass der Blinde die markanten Punkte entweder mit seinem Stock ertasten kann, oder durch veränderte Akustik wahrnehmen kann, wie zum Beispiel, wenn man unter einer Brücke durchläuft. Markante Orientierungspunkte können unter anderen sein: Straßenschilder, Laternenpfahl, Ampel, Gullydeckel, Veränderung des Bodenbelags oder Blumenkübel.

Des Weiteren solltest du vermeiden, mit dem Arm in die Richtung zu zeigen und einfach nur zu sagen: „Da vorne um die Ecke.“ Da der Blinde den ausgestreckten Arm nicht sieht, hilft ihm eine solche Beschreibung nicht weiter. Besser ist eine Beschreibung, die in etwa wie folgt klingt: „Ungefähr 20 m weiter geradeaus laufen, dann erreichen Sie ein Straßenschild. Bei dem Straßenschild nach links abbiegen, bis sie einen Laternenpfahl erreichen.“ Alternativ kann man dem Blinden den Weg auch mit Hilfe einer imaginären Uhr beschreiben. Bei dieser Methode geht man davon aus, dass der blinde Mensch eine Uhr direkt vor sich hat. Dem entsprechend ist 12:00 Uhr genau geradeaus gehen, 9:00 Uhr links im 90° Winkel und 3:00 Uhr auf der rechten Seite im 90° Winkel.

Akzeptiere auch mal ein Nein

Du hast höflich deine Hilfe angeboten, aber der Blinde möchte sich aber nicht helfen lassen, obwohl er auf dich vielleicht einen verunsicherten Eindruck macht und geradewegs auf ein Hindernis zusteuert? Kein Problem. Blinde Menschen sind genau wie du selbstständige Menschen und können daher auch selbst entscheiden, ob sie die Hilfe annehmen möchten oder nicht. Für viele ist es extrem wichtig, dass sie ihren Weg auch ohne die Hilfe von sehenden Menschen bewältigen können. Und wenn ein Blinder einen verunsicherten Eindruck macht, heißt es nicht unbedingt, dass er tatsächlich verunsichert ist. Oft bleiben Blinde zwischendurch stehen oder zögern beim weiterlaufen, da sie sich anhand von Geräuschen in der Umgebung orientieren wollen oder überlegen möchten, ob sie noch auf dem richtigen Weg sind. Und manchmal einfach auch, um sich eine kurze Verschnaufspause zu gönnen. Die Orientierung im Straßenverkehr ist für Blinde in der Regel um ein vielfaches anstrengender als für sehende Menschen. Deshalb kann ein Zögern oder Abwarten auch bedeuten, dass der Blinde einen Moment zum Verschnaufen benötigt. Deshalb solltest du nicht enttäuscht oder verärgert sein, wenn ein Blinder deine Hilfe ablehnt.

Weise einem Blinden in der Bahn oder dem Bus darauf hin, wenn es noch freie Sitzplätze gibt

Für Blinde ist es in einer Bahn oder einem Bus oft schwierig herauszufinden, ob es noch einen freien Sitzplatz gibt. Wenn es noch Sitzgelegenheiten gibt, freut sich ein Blinder immer darüber, wenn du ihm mit einem kurzen Hinweis wie: „zwei Reihen hinter Ihnen ist auf der rechten Seite noch ein Sitzplatz frei.“ darauf aufmerksam machst. Ist die Bahn oder der Bus bereits voll ist es hilfreich, wenn du den Blinden zeigst, wo er sich an einem Griff oder einer Stange festhalten kann. Aufstehen und den Platz räumen ist nicht zwangsläufig erforderlich. Da bei Blinden in der Regel die Beine völlig in Ordnung sind, ist es für sie durchaus zumutbar, auch mal eine Fahrt stehend auszuhalten. Möchtest du deinen Platz trotzdem gerne räumen solltest du vorher schauen, ob es nicht ältere Menschen oder Menschen mit einer Gehbehinderung gibt, die dringend einen sitzplatz benötigen. Diese Personengruppe sollte beim Sitzplatz anbieten definitiv Vorrang haben.

Ein Kommentar zu „Tipps für den Umgang mit einem Blinden Teil zwei: im Straßenverkehr

  1. Dein Artikel ist wieder einmal sehr gut und informativ. Allerdings solltest du vielleicht einen Punkt überarbeiten. Aus versicherungstechnischen Gründen darf ein blinder Fahrgast nicht stehend befördert werden. Wenn er sich dann beispielsweise bei einer plötzlichen Bremsung verletzt, ist er nicht versichert.

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