Oft werden Begriffe wie blind, sehbehindert oder sehgeschädigt in unserer Alltagssprache beliebig verwendet. Jedoch ist vielen Menschen nicht bewusst, dass es einen Unterschied zwischen Blindheit und Sehbehinderungen gibt. Und überhaupt: ab wann gilt man als blind oder sehbehindert und wie viele blinde Menschen gibt es in Deutschland und weltweit?

Alles, was man über Blindheit und Sehbehinderung wissen muss hat Perspektivwechsel in diesem Beitrag zusammengefasst.

Der Unterschied zwischen Blindheit und Sehbehinderung

In Deutschland unterscheidet man zwischen blinden Menschen und Menschen mit einer Sehbehinderung. Die Einteilung richtet sich nach dem vorhandenen Sehrest, den eine Person noch hat. Die Sehkraft kann durch zwei verschiedene Arten eingeschränkt sein.

Zum einen durch eine Gesichtsfeldeinschränkung:

Dies bedeutet, dass die betroffene Person Teile des Gesichtsfeldes nicht sehen kann und seine Umgebung beispielsweise nur wie durch einen Tunnel wahrnehmen kann.

Zum anderen kann es sein, dass ein Mensch nicht mehr genügend Sehkraft besitzt und dadurch einen Gegenstand erst aus 5 m Entfernung erkennt, den eine sehende Person schon aus 100 m Entfernung erkennen könnte.

Die Sehstärke wird üblicherweise in Prozent angegeben. Eine Sehstärke von 80 % bedeutet, dass ein Mensch einen Gegenstand, den eine sehende Person aus 100 m Entfernung gut erkennen kann, erst bei 80 m Entfernung erkennt oder, dass er nur 80 % des Gesichtfeldes wahrnehmen kann.

Hat ein Mensch auf dem besser sehenden Auge eine Sehstärke von 30%, gilt er als sehbehindert.

Liegt die Sehstärke bei 5% oder weniger spricht man von einer hochgradigen Sehbehinderung.

Als blind gilt man, wenn man nur noch einen Sehrest von 2% oder weniger besitzt.

Zu beachten ist, dass diese Einteilung nur in der Bundesrepublik Deutschland Gültigkeit besitzt. Eine einheitliche internationale Definition von Blindheit oder Sehbehinderung gibt es nicht.

Wie viele Blinde und Sehbehinderte gibt es in Deutschland?

In Deutschland werden Blinde und Sehbehinderte grundsätzlich nicht gezählt. Dies führt dazu, dass sich nur grob vermuten lässt, wie viele blinde oder sehbehinderte Menschen in der Bundesrepublik Deutschland leben.

Die gängigste Schätzung stützt sich im wesentlichen auf Zahlenmaterial aus der DDR. Dort wurden jährlich Menschen, die Blindengeld empfangen haben, gezählt. Personen, die kein Blindengeld bezogen, wurden in dieser Statistik nicht berücksichtigt. Nach der Wiedervereinigung wurden die Zahlen aus der DDR per Dreisatz auf die gesamte Bundesrepublik hochgerechnet und für sehbehinderte einfach davon ausgegangen, dass auf drei blinde Menschen zehn sehbehinderte Menschen kommen.

Somit ging man davon aus, dass im Jahre 1990 in Deutschland circa 150.000 Blinde und etwa 500.000 Menschen mit einer Seebehinderung lebten. Jedoch ist es sehr ungewiss, wie realistisch diese Zahlen sind. Es wäre im Sinne der Inklusion und Teilhabe von Blinden und sehbehinderten Menschen dringend erforderlich, wenn blinde Menschen in Deutschland statistisch erfasst werden würden.

In einigen europäischen Ländern wie Großbritannien, Dänemark oder den Niederlanden werden blinde Menschen jährlich gezählt. Die World Health Organization (WHO) wertete zwischen 1990 und 2002 die Zahlen aus den genannten Ländern aus und stellte fest, dass die Zahl Der Blinden und sehbehinderten Menschen in diesem Zeitraum um 80 % angestiegen ist. Als Gründe hierfür werden vor allem die alternde Bevölkerung verantwortlich gemacht.

Da man für Deutschland mit ähnlichen Werten rechnen muss, ergibt sich, dass 2002 etwa 1,2 Millionen blinde und sehbehinderte Menschen in der Bundesrepublik lebten.

Auch über die Altersstruktur bei blinden und sehbehinderten Menschen in Deutschland lässt sich derzeit nur spekulieren. Hinweise kann man hier bei den Zahlen des bayerischen Zentrum für Familie und Soziales entnehmen, die bis 2014 jährlich genaue Angaben veröffentlichten, wie viele Menschen in Bayern Blindengeld bezogen. Demnach sind etwa zwei Drittel der Blindengeld-Empfänger 65 Jahre oder älter. 42 % haben sogar schon das 80. Lebensjahr überschritten. Etwa 58 % der Blindengeld-Empfänger sind weiblich, und nur 42 % männlichen Geschlechts. Dies ist keineswegs darauf zurückzuführen, dass Frauen grundsätzlich häufiger erblinden als Männer. Vielmehr hat es damit zu tun, dass es generell in der Bevölkerungsgruppe, die 65 oder älter ist, mehr Frauen als Männer gibt.

Blindheit weltweit

Wie viele blinde und sehbehinderte Menschen es weltweit gibt, lässt sich nicht wirklich bestimmen. Schuld daran ist, dass jedes Land seine eigenen Bestimmungen und Definitionen von Blindheit und Sehbehinderungen hat und es viele Länder gibt, die Blinde und Sehbehinderte nicht zählen. Die folgenden Zahlen sind deshalb nur Schätzungen und mit Vorsicht zu genießen.

Man schätzt, dass es derzeit ungefähr 36 Millionen blinde und etwa 217 Millionen sehbehinderte Menschen gibt. 90 % der blinden Menschen leben in den Entwicklungsländern. Dort ist das Risiko zu erblinden zehnmal größer als in den reichen Industrienationen. Grund dafür sind die hohe Armut und fehlende Ressourcen in der medizinischen Versorgung. Statistisch gesehen ist in Afrika ein Augenarzt für 1 Millionen Menschen zuständig (Deutschland etwa 13.000).

Während in Deutschland und anderen Industrieländern das Thema Inklusion in Schulen und auf dem Arbeitsmarkt immer stärker in den Fokus rückt, bleibt in den Entwicklungsländern 90 % der blinden Kindern eine Schulbildung verwehrt. 80 % der Erwachsenen blinden Menschen sind deshalb später arbeitslos und bleiben somit in ärmlichen Verhältnissen stecken. Staatliche Zuwendungen, wie ein monatliches Blindengeld oder Ähnliches, gibt es zumeist nicht. Zudem müssen blinde Menschen in Entwicklungsländern oftmals mit totaler Isolierung und gesellschaftlicher Ausgrenzung leben.Blindheit bedeutet also in vielen Entwicklungsländern oftmals einen Armutskreislauf, aus dem betroffenen Menschen gar nicht oder nur sehr schwer ausbrechen können. Dabei würden sich etwa 75 % der Erblindungen weltweit vermeiden lassen. Jedoch fehlt es gerade in den Entwicklungsländern an medizinischen Personal oder an den finanziellen Möglichkeiten der betroffenen Menschen.

Trotz so mancher Schwierigkeiten und Herausforderungen, die eine Blindheit oder Sehbehinderung auch hierzulande mit sich bringt, muss gesagt werden, das es blinden und sehbehinderten Menschen in Deutschland gut bis sehr gut geht. Man hat in Deutschland Zugang nahezu allen weltweit verfügbaren Hilfsmitteln und bekommt bei der Beschaffung finanzielle Unterstützung von den einzelnen Bundesländern. Des Weiteren ist es auch als blinder oder sehbehinderter Mensch möglich eine normale Schulausbildung zu genießen und später einen Arbeitsplatz zu bekommen. Es gibt zwar auch hierzulande noch einige Schwierigkeiten und viel zu tun, jedoch sind diese Probleme klein in Relationen zu den Lebensverhältnissen von blinden Menschen in Entwicklungsländern.

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