Vom 15.- 24. September findet in Rom die Blindenfußball-Europameisterschaft statt. Auch die deutsche Nationalmannschaft nimmt an diesem Turnier teil. Bei Perspektivwechsel wird es deshalb in den nächsten Wochen verstärkt um das Thema Blindenfußball und die Nationalmannschaft gehen. Während der EM wird es dann auch Spielberichte und Hintergrundinfos rund um die deutsche Mannschaft geben. Wie die Sportart Blindenfußball überhaupt funktioniert erfährst du in diesem Artikel.

Entstehungsgeschichte

Mutterland des Blindenfußballs ist Brasilien. Dort kicken blinde Menschen schon seit den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Der Blindenfußball expandierte in den Folgejahren in ganz Lateinamerika und fand in den 80ern den Weg nach Spanien und Europa. Neben Spanien waren Frankreich und England die ersten Europäischen Nationen, die Blindenfußball etablierten.

Seit 1998 finden regelmäßig Weltmeisterschaften statt. Rekortweltmeister ist Brasilien mit fünf Titeln. Letztmalig triumphierte die Seleção 2018 in Madrid.

Seit 2004 gehört Blindenfußball zu den Paralympischen Sportarten. Alle vier Goldmedaillen gingen nach Brasilien.

In Deutschland wird Blindenfußball seit 2006 gespielt. Im Jahr 2008 gründete sich die Blindenfußballbundesliga, die dieses Jahr in ihre elfte Saison ging. 2009 nahm erstmals eine deutsche Nationalmannschaft an einer Europameisterschaft teil.

Wie funktioniert’s?

Blindenfußball ist eine spannende und rasante Sportart und steht diesbezüglich dem sehenden Fußball in nichts nach.

Im Vergleich zum Fußball der Sehenden gibt es jedoch im Blindenfußball ein paar wichtige Unterschiede.

Der Rasselball

Der Ball ist kleiner und schwerer als beim sehenden Fußball und zudem mit kleinen Metallplättchen versehen, die direkt unter das Leder eingenäht wurden. Innerhalb dieser Plättchen befinden sich kleine Steinchen, die sich, sobald sich der Ball bewegt, ebenfalls bewegen und ein rasselndes Geräusch erzeugen. Diese Geräusche sind enorm wichtig, damit die blinden Spieler den Ball orten können.

Das Spielfeld

Des Weiteren ist das Spielfeld mit 20* 40m wesentlich kleiner als bei den Sehenden. An den Seitenlinien wird das Spielfeld von Banden begrenzt, die 1,2m hoch sind und aktiv ins Spielgeschehen einbezogen werden. Fliegt ein Ball über die Bande, geht es mit Einschuss weiter. An den kurzen Seiten ist das Spielfeld durch Torauslinien begrenzt. Passiert der Ball diese Linie, geht es mit Abstoß oder Eckstoß weiter.

Gespielt wird auf Hockeytore, die 3,66m breit und 2,14m hoch sind. Vor dem Tor befindet sich der sogenannte Torraum. Er beginnt auf der Torauslinie jeweils 1m vom Torpfosten entfernt und ragt 2m ins Spielfeld hinein. Dieser Torraum darf vom sehenden Torhüter nicht verlassen werden. Verlässt ein Torhüter diesen Raum und greift aktiv ins Spielgeschehen ein, gibt es einen Strafstoß für die gegnerische Mannschaft.

Der Strafraum ist ein Halbkreis, dessen Radius sechs Meter beträgt. Üblicherweisespricht man auch vom Sechs-Meter-Raum. Strafstöße werden vom Sechs-Meter-Punkt ausgeführt. Des Weiteren gibt es noch den acht-Meter-Punkt. Leistet sich eine Mannschaft mehr als drei Fouls in einer Halbzeit, gibt es für jedes weitere Foul einen Strafstoß (auch Doppelpenalty genannt) vom Acht-Meter-Punkt.

Die Mannschaft

Eine Mannschaft besteht aus fünf Spielern. Vier blinden Feldspielern und einem Torhüter, der sehen kann. Um sicherzugehen, dass alle Feldspieler nichts sehen können, werden jedem Spieler vor dem Spiel die Augen mit sogenannten Eye-pads zugeklebt.

Damit sich die Spieler auf dem Spielfeld orientieren können und wissen wo sich die gegnerischen Spieler befinden, gibt es drei Guides oder Rufer, die den Spielern Anweisungen geben können. Hierzu ist das Spielfeld in drei Zonen eingeteilt. Der sehende Torwart ist für die hintere Zone verantwortlich. Mit Zurufen sorgt er dafür, dass die Verteidiger wissen, wo sich die gegnerischen Stürmer befinden und wie sie sich am besten positionieren können um die Angriffe abzuwehren.

Die hintere Zone wird durch die „Broken Line“, eine gestrichelte Linie 12m vor dem Tor begrenzt. Zwischen den beiden Broken Lines befindet sich die mittlere Zone. Hier ist ein Guide, der außerhalb des Spielfeldes an der Bande steht und für die Orientierung zuständig ist.

Hinter dem gegnerischen Tor steht der Hintertorguide. Seine Rufzone beginnt ebenfalls mit der Broken Line. Der Hintertorguide hilft den Stürmern in eine gute Schussposition zu kommen.

Der Voy-Ruf

Damit es nicht ständig zu Zusammenstößen zwischen den Spielern kommt, muss jeder Spieler, der sich in unmittelbarer Ballnähe befindet, das Wort Voy (spanisch: ich komme) rufen. Kommt ein Spieler dieser Verpflichtungnicht nicht nach, gibt es Freistoß für die gegnerische Mannschaft.

Spieldauer

Eine Halbzeit dauert im Blindenfußball 20 Minuten. Die Uhr wird bei jeder Unterbrechung angehalten. Nachspielzeit gibt es dementsprechend im Blindenfußball nicht.

Ähnlich wie im Handball hat der Trainer einer Mannschaft einmal pro Halbzeit die Möglichkeit ein Timeout von einer Minute zu nehmen, um taktische Anweisungen an die Mannschaft zu geben.

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