Blindenfußball-Bundesliga startet in Erfurt

Endlich ist es wieder soweit! Auch in der Blindenfußball-Bundesliga(DBFL) rollt ab dem kommenden Wochenende wieder das Rasselnde Leder. In Erfurt startet die 13. Saison, in der insgesamt sechs Teams, um den Titel kämpfen. Perspektivwechsel hat die wichtigsten Infos zu den teilnehmenden Mannschaften, dem Spielmodus und Spielorten zusammengestellt

Diese Teams sind dabei

Sechs Teams aus ganz Deutschland kämpfen um die begehrte Trophäe. Die Fans dürfen sich dieses Jahr über einen prominenten Neuling freuen. Hertha BSC Berlin, bekannt aus der Bundesliga im sehenden Fußball gründete jüngst eine eigene Abteilung für Blindenfußball und geht in einer Spielgemeinschaft mit dem PSV Köln nun auch in der Blindenfußball-Bundesliga auf Titeljagd. Insgesamt setzt sich das Teilnehmerfeld aus folgenden Teams zusammen: Sportfreunde blau-gelb Blista Marburg (Titelverteidiger), FC ST. Pauli, FC Schalke 04, Borussia Dortmund, MTV Stuttgart SG PSV Köln/Hertha BSC Berlin.

Der Modus

Die Corona – Pandemie hat auch Auswirkungen auf den Blindenfußball. So wurde der Liga Start von Mitte Mai auf Mitte September verlegt. Doch auch im Spielbetrieb sind die Auswirkungen noch spürbar. So wird der deutsche Meister nicht wie in den letzten Jahren in Hin- und Rückrunde ausgespielt, sondern in einer einzigen Runde jeder gegen jeden und einem Finalspieltag, an dem der Fünftplatzierte gegen den Sechsplatzierte, der Drittplatzierte gegen den Viertplatzierten und der Erstplatzierte gegen den Zweitplatzierten die Abschlusstabelle ausspielen. Ebenfalls anders ist, dass zwischen den einzelnen Spieltagen nicht wie sonst üblich 4-6 Wochen liegen, sondern dass die gesamte Saison im Zeitraum vom 12.09. bis zum 24.10. ausgetragen wird. Insgesamt gibt es vier Spieltage. Diese finden neben Erfurt noch in Dortmund (19.09. – 20.09.), Hamburg (10.10. – 11.10.) und Magdeburg (24.10.) statt. Somit wird diese Saison mit Abstand die kürzeste in der Geschichte des deutschen Blindenfußballs sein.

Wer ist Titelfavorit?

Wurde die Liga in ihren anfangs Jahren vor allem von Stuttgart und Marburg dominiert, kristallisierte sich in den letzten Jahren vor allem das Duell zwischen dem FC St. Pauli und Marburg als Kampf um den Titel heraus. Dennoch ist eine Prognose dieses Jahr besonders schwierig. Es bleibt abzuwarten, wie die einzelnen Teams die coronabedingte Trainingspause verkraftet haben, und welche Mannschaft am besten mit dem dicht getakteten Spielplan zurecht kommen wird.

Der Spielplan

1. Spieltag, 12.09. in Erfurt(Domplatz):

11:00 Uhr: SF BG Blista Marburg – FC Schalke 04

13:00 Uhr: FC St. Pauli – Borussia Dortmund

15:45 Uhr: SG PSV Köln / Hertha BSC – MTV Stuttgart

2. Spieltag, 19.09.-20.09. Dortmund(Derner Str. 423B):

Samstag:

10:00 Uhr: SF BG Blista Marburg – FC St. Pauli

13:00 Uhr: Borussia Dortmund – MTV Stuttgart

16:00 Uhr: FC Schalke 04 – SG PSV Köln / Hertha BSC

10:00 Uhr: FC St. Pauli – MTV Stuttgart

Sonntag:

13:00 Uhr: SF BG Blista Marburg – SG PSV Köln / Hertha BSC

15:0 0:00 Uhr:

Borussia Dortmund – FC Schalke 0415:0 0:00 Uhr:Borussia Dortmund – FC Schalke 04

Dritter Spieltag, 10. Oktober – 11. Oktober Hamburg (Borgweg 17A)

10:00 Uhr:SG PSV Köln / Hertha BSC – Borussia Dortmund

13:00 Uhr: SF BG Blista Marburg – MTV Stuttgart

16:00 Uhr: FC St. Pauli – FC Schalke 04

Sonntag:

10:00 Uhr:SF BG Blista Marburg – Borussia Dortmund

13:00 Uhr: MTV Stuttgart – Fc Schalke 04

15:00 Uhr: FC St. Pauli – SG PSV Köln / Hertha BSC

Vierter Spieltag, 24. Oktober Magdeburg (Domplatz)

10:30 Uhr: Spiel um Platz 5

14:00 Uhr: Spiel um Platz 3

15:45 Uhr: Spiel um Platz 115:45 Uhr: Spiel um Platz 1

Das online Portal blindenfussball.net bietet Audio – Spielbeschreibungen zu allen Spielen, sowie ausführliche Hintergrund Infos an. Auf Perspektivwechsel gibt es zeitnah alle Ergebnisse und wichtigsten Infos kurz zusammen gefasst.

Corona-Krise: Ein Wochenbericht aus dem Home-Office

Keine Frage, die Corona-Krise verlangt allen Menschen zurzeit viel ab. Das öffentliche Leben steht still, soziale Kontakte sind fast nur noch digital möglich und auch sonst verändern die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie unseren Alltag. Zu Hause bleiben ist aktuell das oberste Gebot.
Doch was tun, damit einem nicht die Decke auf den Kopf fällt?
Ein Wochenbericht aus dem Home-Office J. Schneider in Kassel.
Von Online-Vorlesungen, Gottesdiensten auf dem Sofa und digitalen Spieleabenden.

Stell dir vor es ist Uni, und niemand geht hin

Mittwochmorgen 08:00 Uhr:
Eigentlich ein ganz normaler Morgen Ende April in Kassel. Das Sommersemester hat vor wenigen Tagen begonnen, die Sonne scheint, die Vögel singen und ich versuche mich mehr oder weniger erfolgreich für eine Vorlesung in der Uni vorzubereiten. Wer hat eigentlich festgelegt, dass Vorlesungen bereits um 08:00 Uhr beginnen dürfen? Und wie war das noch gleich; Studenten können jeden Tag bis mindestens 12:00 Uhr ausschlafen, weil man ja sowieso nicht vor 16:00 Uhr in der Uni sein muss?
Entweder ich studiere das Falsche, oder aber an diesen Vorurteilen ist nichts dran. Und so quäle ich mich aus dem gemütlichen Bett und rüste mich mit Laptop aus. Ganz normal also?
Nein, etwas ist anders an diesem Tag, denn statt in die überfüllte Straßenbahn, die mich zur Uni befördert geht es nur ein paar Schritte weit bis zu meinem Schreibtisch. Online-Vorlesung statt Präsenzlehre steht heute auf dem Plan. Und nicht nur heute, sondern wo möglich das ganze Semester. Nicht etwa, weil die Universität Kassel die Digitalisierung für sich entdeckt hat, sondern weil Corona-Krise ist. Und so komme ich in den Genuss den Ausführungen meines Theologie-Professors vom Schreibtisch aus zu lauschen.
Im Großen und Ganzen eine ganz entspannte Sache dieses Home-Office. Und für mich in vielen Punkten auch viel einfacher. Ich muss mich nicht in eine überfüllte Straßenbahn quetschen, muss mir niemanden organisieren, der mich zu meinem Hörsaal bringt und Angst, mich auf dem unübersichtlichen und verwinkelten Campus zu verlaufen, muss ich auch nicht haben.
Statt großer und voller Hörsaal entspanntes (fast) leeres Wohnzimmer.
Doch die Nachteile zeichnen sich ebenso schnell und deutlich ab. Keine Kommilitonen und Freunde, mit denen man sich über die Inhalte austauschen kann, kein Professor, dem man direkt Fragen stellen kann und keine Diskussionen. Und das Wichtigste: Keine Treffen mit Freunden in der Mensa nach, vor oder zwischen den Veranstaltungen. Meine Freunde, mit denen ich normalerweise ein- bis zweimal pro Woche mensen gehe; sie fehlen mir jetzt schon. Und das Semester hat gerade erst begonnen; das kann ja heiter werden.

Arbeiten im Homeoffice:Johannes liest in der Blindenschrift-Bibel
Arbeiten im Homeoffice:Johannes liest in der Blindenschrift-Bibel


Mensen mal anders

Mittwoch 12:00 Uhr:
Die Online-Veranstaltungen der Uni habe ich mehr schlecht als recht hinter mich gebracht. Also habe ich mir ein leckeres Mittagessen verdient. Also ab mit Freunden in die Mensa und eine leckere Portion holen … ach nein, halt Stopp! Da war ja was; Corona und so… Also doch wieder nur Nudeln mit Pesto? Oder Essen bestellen beim Lieferdienst des Vertrauens? „Aber Bestellen ist so teuer und wir haben doch erst letzte Woche bestellt und… Ach egal, besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen!“ Also doch gute italienische Pizza anstatt Dosenravioli.“Beim nächsten Mal wird dann aber wirklich selbst gekocht! Also wirklich…“ Vielleicht ja ein Rezept, was das Studierendenwerk der Uni Kassel aus der Mensa gepostet hat? Oder doch nur Tiefkühlpizza? Da stellt einen die Krise vor ganz neue Herausforderungen.

Wenn der beschauliche Stadtteilpark zum angesagten Hottspott wird

Mittwoch 16:30 Uhr:
In meinem Stadtteil gibt es einen kleinen Park. Eigentlich nichts Besonderes; ein paar Spazierwege, ein winziger Bach der, wenn er nicht gerade ausgetrocknet ist; mitten hindurchfließt, einige Bäume und hin und wieder Sitzbänke.
In der Regel trifft man hier eher wenig Menschen, doch in Zeiten von „Wir bleiben zu Hause“ ist alles anders. Denn einfach nur zu Hause sitzen bleiben halten die meisten dann doch nicht die ganze Zeit durch. Und so geht es für viele ab in den Stadtteilpark. Und so hat es den Anschein, als ob der gesamte Stadtteil im Park spazieren geht. Spazieren gehen als neuer Volkssport? Warum eigentlich nicht? Wetter ist ja traumhaft schön in diesen Tagen und so begebe ich mich ebenfalls in den neuen Hottspott-Park Bossentalpark-Kassel-Fasanenhof. Dir sagt dieser Park nichts? Kein Problem, bestimmt kommt der noch ganz groß raus; irgendwann in der Post-Corona-Epoche.

Kaffelust und Unifrust:

Donnerstag 10:30 Uhr: Der Kaffee und das Frühstück schmecken ausgezeichnet, die Online-Veranstaltungen der Uni dafür umso weniger. Denn obwohl man meinen sollte, das mit einem digitalen Semester für blinde Menschen alle Sorgen erledigt sein müssten, stellen sich durchaus größere Schwierigkeiten für mich ein. So kann ich beispielsweise gleich mehrere hochgeladene Präsentationen der Professoren und Dozenten an meinem Laptop nicht öffnen, da meine Sprachausgabe diese nicht auslesen kann. Die Erklärvideos, die in den Präsentationen verarbeitet sind und uns Studierenden beim Durchblättern der Folien helfen sollen, sind an und für sich eine sehr gute Sache, bringen mir jedoch auch nichts, wenn ich die Präsentationen nicht öffnen kann. Wie gut, dass ich für solche Fälle Studienassistenzen habe, die mir die Präsentationen und Dokumente in für mich lesbare Form umwandeln können. Das sind ganz ganz liebe Menschen aus meinem Freundeskreis, die sich bereiterklärt haben, neben ihrem eigenem Studium mich zu unterstützen und überall einzuspringen, wo ich alleine nicht weiterkomme.Ohne diese Menschen könnte ich mein Studium sofort abbrechen! An dieser Stelle ein ganz ganz dickes Dankeschön und eine virtuelle Umarmung mit ganz viel Liebe an meine Studienassistenzen.

Ein Hoch auf das Digital-Oldschoolzeitalter

Freitag 20:00 Uhr:
Was wurde nicht schon alles über die jüngere Generation geschimpft. Wir, die Kinder der 90er und frühen 2000er, die mehr oder weniger mit Internet, Computer und etwas später auch mit Handys groß geworden sind, müssen uns schon so Einiges anhören. Spöttisch nennt man uns die Generation „Kopf nach unten“ oder interpretiert das Y in der Bezeichnung Generation Y als Daumen-Hoch-Emojy von Facebook. Telefonieren können wir ja sowieso nicht, weil wir ja nur noch über Messenger-Dienste kommunizieren. Gelegentlich lassen wir uns auch mal zu Audio-Nachrichten hinreißen; aber bitte nicht länger als 2:30min. Telefonieren oder Briefe schreiben ist doch irgendwie Oldschool … oder etwa doch nicht?
Seit social-distancing unser Leben bestimmt, wird in Deutschland und weltweit nachweislich wieder öfter telefoniert. Nicht etwa mit diesen total komischen Geräten mit Schnur und Tasten aus den 90ern, sondern ganz modern mit Smartphone oder Laptop. Wir verabreden uns ganz traditionell und doch modern in Chat-Rooms, wir führen Telefonate und veranstalten Spieleabende. Somit sind wir oldschool, aber gleichzeitig innovativ und zukunftsorientiert.
Der Spieleabend mit Freunden ist eine tut gut und ist eine tolle Ablenkung zum alleine sein, jedoch ist es nicht das gleiche wie sich im wirklichen Leben zu treffen. Gleiches gilt für Telefonate und Chatten. Also nach der Corona-Krise vielleicht doch etwas mehr Oldschool als Digital!

Traumreise ins Ruhrgebiet

Samstag 15:30 Uhr:
Zeit für die Bundesliga! Eintracht Frankfurt hat heute eine ganz besondere Aufgabe vor der Brust. Es geht gegen … niemanden! Natürlich hat die aktuelle Situation auch Auswirkungen auf den Sport und so findet kein Fußball statt.
So ganz will ich aber nicht auf Stadion-Atmosphäre verzichten.
Und deshalb wird unser Wohnzimmer kurzer Hand zum Stadion um dekoriert. Stadion bauen statt Fußball schauen heißt für diesen Samstagnachmittag unser Motto. Und so schaffen wir es ein 3d-Modell der Veltins-Arena von Schalke 04 zu basteln. Passend dazu krame ich meinen Blindenfußball vom Dachboden hervor. Jetzt schmücken Veltins-Arena und Fußball unsere Wohnung und sorgen für ein wenig Fußball-Stimmung.


Blick auf gepuzzelte Tribüne von 3D-Modell.

Blick auf gepuzzelte Tribüne von 3D-Modell.

Außerdem erinnert uns die Veltins-Arena an das Ruhrgebiet. Ob man es glaubt oder nicht, aber meine Frau und ich sind große Fans vom Ruhrgebiet. Der Pott; das bedeutet für uns die Region wo viele Freunde von uns Leben, die Region, in der wir nach Corona mal leben möchten und die Region, wo wir gefühlt wöchentlich samstags hinfahren.
Mit Ausflügen nach Essen, Bochum oder Dortmund ist es zurzeit etwas kompliziert, aber dafür muss unser Wohnzimmer eben als Mini-Ruhrgebiet herhalten. Passend dazu habe ich eine Blindenschriftlandkarte von Nordrhein-Westfalen, auf der auch die wichtigsten Ruhrgebietsstädte verzeichnet sind. Wenn schon nicht im echten Leben, dann wenigstens ein Ausflug mit dem Finger auf der Landkarte.

Dazu am besten noch eine leckere Currywurst mit Pommes und ein gekühltes Bier. Grönemeyers Hit „Bochum“ oder das Steiger Lied dürfen selbstverständlich auch nicht fehlen.
Du fragst dich, wieso wir das Ruhrgebiet mögen und später dort leben wollen? Du denkst das Ruhrgebiet ist grau und hässlich? Als Blinder sag ich dir: „Grau, Grün, Blau oder weiß; für mich sieht alles gleich aus!“ Und ansonsten „Glück Auf!“ Ker ker, Watt bessres gibbet nich!

Einfach mal ne Runde kicken

Samstag 19:00 Uhr:

Wenn man schon ein 3-D Modell eines Fußballstadions im Wohnzimmer stehen hat, kribbelt es einem als Fußballfan ganz schön im Fuß. Und so schnappen wir uns den Blindenfußball und stürmen die Wiese vor unserer Haustür. Eine kleine Trainingseinheit Blindenfußball kann nicht schaden! Zwar gleicht die Wiese eher einem Acker als dem gepflegten Rasen in der Veltins-Arena, jede Menge Spaß haben wir aber trotzdem. Was unsere Nachbarn davon halten, dass unser Stadtteil neben einem angesagten Park jetzt auch ein Blindenfußball-Stadion hat, ist bislang noch nicht überliefert.

Johannes trippelt mit dem Blindenfußball auf einer Wiese mit Bäumen
Johannes trippelt mit dem Blindenfußball auf einer Wiese mit Bäumen

Ausgehen in der Balkonia-Bar Kassel

Samstag 22:30 Uhr:
Saturday Night, let’s have some fun…, doch nicht einmal die Clubs, Bars und Kneipen auf der „Fritze“ Kassels Party-Meile, die außer am Wochenende Friedrich-Ebert-Straße heißt, haben zur Zeit geöffnet.
Aber alles kein Problem, denn es gibt eine neue Bar in Kassel, die alles bis her Dagewesene in den Schatten stellt. Ich rede von der „Balkonia-Bar-Kassel“. Kennt ihr nicht? Noch so etwas, was in der Post-Corona-Epoche groß rauskommen wird. Best Cocktails in Town gemixt von der besten Barkeeperin der Stadt und selbstverständlich die angesagteste Musik aufgelegt vom angesagtesten DJ des Landes, dazu reinstes Summer-Feeling; und das alles umsonst und draußen. Naja, das mit dem umsonst stimmt natürlich nicht wirklich und ob unser Balkon jemals zur angesagten Bar wird darf zumindest bezweifelt werden. Trotzdem schmecken die selbstgemixten Cocktails ausgezeichnet.

2 Cocktails auf dem Tisch auf dem Balkon
2 Cocktails auf dem Tisch auf dem Balkon

Und Kirche kann eben doch modern

Sonntag 10:00 Uhr:
Ich weiß, viele nutzen den Sonntagvormittag lieber zum Ausschlafen als in den Gottesdienst gehen. Kirche ist doch nur was für alte Menschen und viel zu langweilig sind wohl die größten Vorurteile gegen die Kirche. Doch lass dich einmal auf einen Gottesdienst ein und du wirst dein blaues Wunder erleben; und dieses Mal rede ich nicht von einem Königsblauen Wunder vom FC Schalke 04. Kirche ist modern, weltoffen, aktuell und vor allem hilft ein Gottesdienst bei der Bewältigung der aktuellen Krise.
Du willst aber nicht in die Kirche gehen? Du weißt nicht wo der nächste Gottesdienst stattfindet? Näher als du denkst, nämlich bei dir zu Hause auf der Couch. Keine Sorge, es kommen kein Pfarrer und auch keine Gemeindemitglieder zu dir nach Hause, zumindest nicht persönlich. Aufgrund der aktuellen Lage werden zurzeit sämtliche Gottesdienste online zu dir auf die Couch gestreamt. Und du musst dir keine Gedanken machen, was du für Kleider in einem Gottesdienst anziehen sollst. Digitaler Gottesdienst funktioniert in der Jogginhose genauso wie im Sonntagshemd.
Für mich ist dies der wichtigste Termin im Home-Office J. Schneider, weil ich hier die Kraft bekomme, die man in dieser Krise benötigt.

Wie sieht zur Zeit euer Alltag aus und wie vertreibt ihr euch die Zeit?gerne könnt ihr mir einen Kommentar hinterlassen. Unter diesem Beitrag als Kommentar, auf Facebook oder als Persönliche Nachricht.

Das runde Leder und ich: Ein Hobby, bei dem meine Blindheit keine Rolle spielt

Was machen blinde Menschen in ihrer Freizeit? Die Hobbys von Menschen mit einer Sehbehinderung sind so vielfältig und unterschiedlich wie die Menschen selbst.
Eines meiner Hobbys ist Fußball.

Im Zweiteiler „Das runde Leder und Ich: Ein Hobby bei dem die Blindheit egal ist“ geht es um Stadionbesuche, die Möglichkeiten ein Fußballspiel zu verfolgen ohne sehen zu können, Führungen durch Stadien und vieles mehr.

Fußball ist rasant, spannend und verbindet Menschen. Millionen Fans auf der ganzen Welt sind begeistert vom runden Leder und fiebern Woche für Woche mit ihrer Lieblingsmannschaft mit. Auch mich hat das Fußballfieber gepackt. Deshalb war ich vor wenigen Wochen in der Veltins-Arena, um das Spiel meiner Lieblingsmannschaft Eintracht Frankfurt gegen Schalke 04 zu sehen.
Ein Artikel über die schönste Nebensache der Welt und ein Hobby, bei dem ich meine Blindheit gut vergessen kann.

Es ist ein eher frischer Sonntagnachmittag Mitte Dezember. Eintracht Frankfurt tritt in der Fußball-Bundesliga auswärts bei Schalke 04 an. Für mich wird dieses Spiel etwas besonderes sein, denn ich werde das Spiel live im Stadion verfolgen. Schon seit einigen Jahren schlägt mein (Fußball)herz für die Frankfurter Eintracht und ich war schon des Öfteren bei Heimspielen in der Commerzbank Arena, um das Team live zu unterstützen. Aber meistens kann ich meine Mannschaft nur von zu Hause aus vor dem Radio oder Fernseher verfolgen.
Doch an diesem Sonntag ist es anders. Zum ersten mal werde ich ein Auswährtsspiel der Frankfurter Eintracht im Stadion verfolgen können. Und das in der Schalker Veltins-Arena, ein Stadion, welches nicht zuletzt wegen seiner Dachkonstruktion, welches bei schlechtem Wetter geschlossen werden kann ein ganz besonderes Erlebnis ist.
Und so geht es ausgerüstet mit einem Frankfurt-Schal in einem Kleinbus voller Schalke-Fans nach Gelsenkirchen. Dort bin ich mit einem guten Freund verabredet. Gemeinsam schauen wir uns das Spiel an.

Blick auf Spielfeld und Haupttribüne der Commerzbank Arena: Johannes besuchte am 15.12.2019 die Schalker Veltins-Arena

Die Atmosphäre in einem Stadion mitzuerleben ist das, was ein Stadionbesuch für mich so besonders macht. Und für dieses Feeling ist es auch egal, ob man sehen kann oder nicht.
Wenn bei einem Heimspiel der Eintracht kurz vor Anpfiff die Club-Hymne „Im Herzen von Europa“ gesungen wird und anschließend das bei allen Eintracht-Fans beliebte Lied „Schwarz-Weiss- wie Schnee“ erklingt ist es wohl für jeden Fan etwas besonderes, egal ob man etwas sehen kann oder nicht.


Auch die Schalke-Fans sorgen mit ihrer besonderen Stimmung für eine tolle Atmosphäre. Das fängt schon vor dem Spiel an, als alle Schalke Fans zunächst die Hymne der Bergfahrer „Glück auf, der Steiger kommt“ und anschließend ihre eigene Hymne singen. Als sich das Stadion beim Steigerlied erhebt, ist eine ganz besondere Stimmung zu spüren. Auch als Frankfurt-Fan, der eine lautstarke Unterstützung der Fans von den Heimspielen gewöhnt ist, muss man der Verbundenheit der Schalke-Fans mit der Bergsteigertradition des Ruhrgebiets Respekt zollen.

Aber blind Fußball schauen? Und dann auch noch live im Stadion? Für viele Menschen klingt das erst einmal etwas seltsam. Schließlich können blinde Menschen ja nicht sehen, wo sich gerade der Ball befindet und ob der Stürmer ein Tor geschossen hat.
Zwar kann ich das Spiel nicht mit eigenen Augen verfolgen, aber dafür gibt es andere Möglichkeiten das Spielgeschehen mitzubekommen.

In vielen Stadien gibt es spezielle Reporter, die den Spielverlauf für blinde Menschen kommentieren. Man bekommt vor dem Spiel Kopfhörer, mit denen man sich die Reportage während des Spiels anhören kann. Die Reporter sind bemüht die Spielzüge der Teams so genau wie nur möglich zu beschreiben. So sind auch blinde und sehbehinderte Fans immer über jede Aktion auf dem Platz informiert.

Das Spiel in der Schalker Veltins-Arena wird von zwei guten Reportern kommentiert. Die Reportage macht es möglich, dass sich mein Freund und ich über jede einzelne Aktion des Spiels austauschen können. Mein Freund sieht das Spiel; ich verfolge die Reportage.
Und so bekomme ich mit, wie sich von Anfang an ein Spiel entwickelt, indem Schalke die bessere Mannschaft ist. Die Zuschauer sehen oder hören zwar nicht besonders viele Torchancen, aber eine Schalker Mannschaft, die das Spiel kontrolliert. Und so kommt es kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit wie es kommen muss: Fehlpass eines Frankfurter Verteidigers in der eigenen Hälfte, der Schalker Stürmer Harit geht unbedrengt mit Tempo auf den Frankfurter Strafraum zu und spielt den Ball in den Lauf von seinem Teamkollegen Raman, der mit seinem Linksschuss ins lange Eck das 1:0 für Schalke erzielt. Tor Für Schalke; das ist die verdiente Führung.

Um uns herum singen, tanzen und feiern die Schalke-Fans ausgelassen. Die Stimmung im Stadion ist natürlich jetzt zumindest bei den Schalke-Fans gut. Die ohnehin schon lautstarke Unterstützung des Blau-Weisen Publikums wird nach dem Tor nochmal deutlich lauter und euphorischer. Besonders die berühmte Schalker Nordkurve, wo sich die hartgesottenen Fans befinden, machen mit ihren Sprechchören auf sich aufmerksam. Auch als Eintracht-Fan muss ich anerkennen, dass die Atmosphäre in der Veltins-Arena unglaublich ist.

Schalke führt und wird die Führung auch nicht mehr hergeben. Auch wenn die Eintracht nach dem Rückstand versucht den Ausgleich zu erzielen und nach einer roten Karte für den Schalker Torhüter fast 30min in Überzahl spielen darf. Der Sieg bleibt auf Schalke.

So verliert die Eintracht und mir bleibt immerhin die Hoffnung auf das Rückspiel in der heimischen Commerzbank Arena.
Auffallend positiv ist, dass die meisten Menschen, die meinem Freund und mir im Stadion begegnen sehr hilfsbereit und freundlich sind und viel Rücksicht auf mich und meine Blindheit nehmen.
Dies macht den Besuch in der Veltins-Arena trotz Eintracht-Niederlage zu einer sehr positiven Erfahrung. Ich beschließe in Zukunft häufiger ins Stadion zu gehen und bestelle wenige Tage später Karten für ein Heimspiel der Eintracht.
Aber auch auf Schalke war ich ganz sicher nicht zum letzten mal.

Deutschland mit klarem Sieg gegen Griechenland

Der Knoten ist geplatzt! Nach einer deutlichen Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit gewinnt die deutsche Blindenfußball-Nationalmannschaft gegen Griechenland mit 3:0 (0:0) und darf sich nun wieder Hoffnungen auf das Halbfinale machen.

Nach der unglücklichen Auftaktniederlagegegen England musste heute unbedingt ein Sieg für Deutschland her, um die Halbfinalträume nicht schon frühzeitig begraben zu müssen. Dem entsprechend offensiv starteten die Schützlinge von Bundestrainer Peter Gößmann. Von Anfang an drängte das deutsche Team die griechische Nationalmannschaft in deren Hälfte. Angetrieben vom starkaufspielenden Tönsing rollte Angriffswelle auf Angriffswelle auf den griechischen Strafraum zu. Gute Tormöglichkeiten sprangen dabei jedoch selten heraus, da das deutsche Angriffspiel oftmals von Ungenauigkeiten und Abstimmungsschwierigkeiten gekennzeichnet waren. Die Griechen beschränkten sich voll und ganz aufs Verteidigen und kamen im gesamten ersten Durchgang zu keiner einzigen gefährlichen Offensivaktion. Es schien so, als ob das deutsche Team mit der Favoritenrolle und dem Druck überfordert wäre. Mit einem torlosen Remis ging es in die Halbzeitpause.

Auch im zweiten Durchgang änderte sich nichts am Spielgeschehen. Die Griechen verteidigten diszipliniert, während die deutsche Offensive ununterbrochen am und im gegnerischen Strafraum nach der Lücke suchte.
Tönsing war es dann schließlich, der die DBS-Auswahl und die mitgereisten Fans erlöste. Der Stürmer setzte nach dem er vor dem Griechischen Strafraum selber den Ball verloren hatte stark nach und holte sich das Spielgerät wieder. Anschließend drang er in den Strafraum ein und Hämmerte den Ball unhaltbar für Griechenlands Schlussmann aus 5 Metern unter die Latte – 1:0 für Deutschland. Motiviert vom Führungstreffer drängte das Team um Kapitän Alexander Fangmann nun auf weitere Treffer und erarbeitete sich mehrere hochkarätige Tormöglichkeiten.

Jonathan Tönsing erzielte schließlich wenige Zeigerumdrehungen später das 2:0 und sorgte für eine beruhigende Führung. Griechenland wirkte nun müde und kraftlos; Deutschland drehte nun auf. einem deutlich höherem Ergebnis standen jedoch Pfosten und der Griechische Keeper im Wege.
Kapitän Fangmann, der in der ersten Halbzeit oft Glückloglücklos agierte sorgte in der 34. Minute nach einem Alleingang von der Mittellinie aus für den 3:0-Endstand.

Deutschland ist durch den klaren Sieg endgültig im Turnier angekommen und darf mit drei Punkten aus zwei Spielen auf das Halbfinale Hoffen.
Schon morgen wartet mit Frankreich allerdings eines der stärksten Teams bei dieser Europameisterschaft. Anstoß der Begegnung ist um 15:00 Uhr.

Deutschland mit unglücklicher Auftaktniederlage gegen England

Knappe Auftacktniederlage für das deutsche Blindenfußball-Team. Gegen England, einen der Top-Favoriten, hielt die Mannschaft von Peter Gößmann gut dagegen, musste sich aber letztlich etwas unglücklich mit 0:1(0:1) geschlagen geben.
Beide Teams brauchten eine Weile, um in ihren Rhythmus zu kommen. Kleinere Ungenauigkeiten im Angriffsspiel bestimmten auf beiden Seiten die ersten Minuten.

Mit zunehmender Spieldauer gelang es dem deutschen Team jedoch mehr und mehr ins Spiel zu kommen. Die Engländer wirkten überrascht vom selbstbewussten Auftreten des Außenseiters. Die erste gute Möglichkeit des Spiels gehörte dann auch der deutschen Mannschaft. Kuttig kam aus halbrechter Position aus etwa 6 Metern zum Schuss, doch sein Schuss aufs lange Eck wurde vom englischen Keeper pariert.
Nur wenig später wurde es auch für das deutsche Tor erstmals gefährlich. Dan English bekam im deutschen Strafraum viel zu viel Platz, traf aber aus spitzem Winkel nur das Außennetz.
In den nächsten Minuten bestimmten weiter die Deutschen das Spielgeschehen. Tönsing scheiterte mit einem Freistoß am starken Schlussmann der Engländer und Fangmann verzog freistehend aus 8 Metern nach einem Fehlpass der Englischen Hintermannschaft.
Etwa eine Minute später war es erneut Kuttig, der im Englischen Keeper seinen Meister fand.

Nach etwa einer Viertelstunde wendete sich das Spiel almählig zu Gunsten der Three Lions. Deutschlands Torwart Temel musste gleich zweimal in höchster Not gegen Turnham und English retten. England war nun am Drücker und drängte auf den Führungstreffer. Der fiel schließlich auch in der 16. Minute. Kuttig verlor in der Vorwärtsbewegung den Ball an English, der über das gesamte Feld Marschierte. Verteidiger Altumbas rutschte unglücklich weg und English stand alleine vor dem deutschen Tor. Sein Schuss klatschte an den Innenpfosten und kullerte von dort über die Linie.
Tönsing zwang den Englischen Keeper kurz vor der Pause noch einmal zu einer Glanzparade, als er nach einer Ecke aus Spitzem Winkel aufs linke obere Torecke zielte. Doch der englische Schlussmann bekam noch die Hand an den Ball und verhinderte die schnelle Antwort. So ging es mit einer knappen 1:0-Führung für England in die Kabinen.
Mit fiel Schwung kam das deutsche Team aus der Halbzeitpause und setzte die Engländer gleich unter Druck. Der starke Tönsing kam zweimal aus guter Possition zum Schuss, scheiterte jedoch jeweils am Englischen Schlussmann. Deutschland drückte nun auf den Ausgleich, England lauerte auf Konter. So ergaben sich auf beiden Seiten mehrere gute Einschussmöglichkeiten. Es blieb jedoch bei der knappen und etwas glücklichen Führung für die Engländer.

Für Deutschland geht es am Donnerstag um 11:30 Uhr mit der Begegnung gegen Griechenland weiter. Trotz der Niederlage darf die Mannschaft durchaus zufrieden mit sich und ihrer Leistung sein.

Die Ergebnisse des Tages im Überblick:

Italien – Türkei 1:1

Frankreich – Russland 2:0

Spanien – Belgien 3:0

England – Deutschland 1:0