wenn die Kraft nicht reicht wenn die Kraft nicht reicht

Wenn die Kraft nicht reicht

dass mir sehende Menschen die Hilfe verweigern und/oder sich über meine Situation lustig machen ist dabei leider keine Seltenheit. Auch beleidigende und diskriminierende Kommentare bezüglich Blindheit oder Hautfarbe gehören zu meinem Alltag dazu. Für mich fühlt es sich dann immer so an, als wäre in dieser Gesellschaft keinen Platz für mich. Das Gefühl nicht dazuzugehören, Weil man eine Behinderung hat ist jedes Mal sehr schmerzvoll. Leider leben wir in einer Gesellschaft, die auf Perfektionismus, Leistungsdruck und Optimierung ausgelegt ist. Menschen die nicht in die Norm passen, weil sie beispielsweise eine Behinderung haben passen nicht ins Muster, weil sie in den Augen von vielen Menschen zu schwach, zu unselbstständig und nicht gut genug sind. In Verbindung mit dem Spiel der deutschen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft gegen Ungarn wurde viel darüber gesprochen, dass wir eine offene Gesellschaft sind, in der jeder unabhängig seiner sexuellen Orientierung leben darf. Sehr viele Menschen haben sich für dieses Thema eingesetzt. Ich würde mir wünschen, dass unsere Gesellschaft für das Thema Menschen mit Behinderung genauso sensibel werden würde. laut einer repräsentativen Umfrage unter sehenden Menschen aus dem Jahr 2016 fühlen sich 55 % der Befragten unwohl in der Gegenwart von blinden Menschen. Diese Studie zeigt leider zu deutlich, dass Menschen mit Behinderung immer noch kein normaler und selbstverständlicher Teil der Gesellschaft sein dürfen. Und ich wünsche mir Menschen um mich herum, bei denen ich einfach ich sein kann, meine Behinderung oder Hautfarbe keine Rolle spielt und bei denen ich nicht ständig das Gefühl haben muss nicht dazuzugehören. Manchmal würde ich viel dafür geben die Blindheit und alles Negative was damit verbunden ist los zu werden. Aber es gibt keinen Ausweg aus der Blindheit, es bleibt nur das weiterkämpfen. Schon morgen kann die Sonne wieder scheinen.auch solche Momente gehören zu meinem Alltag mit Blindheit: eigentlich wollte ich den Freitag Abend gemütlich an der Spree ausklingen lassen. Vom Hackeschen Markt aus wollte ich gemütlich zur Museumsinsel laufen und mich dann an die Spree setzen, um dort die vielen Menschen und die Abendstimmung zu genießen. Vielleicht mit einem Bierchen oder auch einem Döner, an irgendeine Ecke wollte ich mir irgendetwas derartiges besorgen. Am Hackeschen Markt angekommen versuchte ich mir meinen Weg durch die vielen Menschen und die Tische und Stühle der Außengastronomie zu bahnen. Doch so sehr ich mich auch bemühte, immer wieder verlief ich mich und schaffte es nicht den Weg zur Spray zu finden. Leider versagte auch mein Google Maps, es führte mich immer wieder im Kreis herum und war somit keine Hilfe. Die vielen Menschen waren zwar in bester Stimmung, aber in Sachen Hilfsbereitschaft eher eine große Enttäuschung. Entweder ignorierten sie meine Fragen oder machten sich darüber lustig, dass eine blinde Person sich am Hackeschen Markt wieder und wieder verläuft. Nach einer halben Stunde vergeblicher Suche gab ich einfach auf…
Ich hatte keine Kraft mehr mich zu verlaufen, den Lärm und die vielen Menschen um mich herum zu ertragen und auszuhalten, dass sehende Menschen sich über meine Situation lustig machen. Enttäuscht, frustriert und deprimiert fuhr ich wieder nach Hause. Aus dem schönen Freitag Abend ist eine ziemlich traurige Angelegenheit geworden… In diesen Situationen fühle ich mich schwach, hilflos und klein. Während es für die meisten Menschen keine Schwierigkeit ist freitags abends einfach mal gemütlich an die Spree zu gehen bin ich gestern an dieser Aufgabe gescheitert und musste noch erleben, dass sich andere Menschen über meine Situation lustig machen. In diesen Momenten wird mir bewusst, dass meine Blindheit doch eine ziemlich große Einschränkung ist, größer als ich es mir selber manchmal eingestehen möchte. dass mir sehende Menschen die Hilfe verweigern und/oder sich über meine Situation lustig machen ist dabei leider keine Seltenheit. Auch beleidigende und diskriminierende Kommentare bezüglich Blindheit oder Hautfarbe gehören zu meinem Alltag dazu. Für mich fühlt es sich dann immer so an, als wäre in dieser Gesellschaft keinen Platz für mich. Das Gefühl nicht dazuzugehören, Weil man eine Behinderung hat ist jedes Mal sehr schmerzvoll. Leider leben wir in einer Gesellschaft, die auf Perfektionismus, Leistungsdruck und Optimierung ausgelegt ist. Menschen die nicht in die Norm passen, weil sie beispielsweise eine Behinderung haben passen nicht ins Muster, weil sie in den Augen von vielen Menschen zu schwach, zu unselbstständig und nicht gut genug sind. In Verbindung mit dem Spiel der deutschen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft gegen Ungarn wurde viel darüber gesprochen, dass wir eine offene Gesellschaft sind, in der jeder unabhängig seiner sexuellen Orientierung leben darf. Sehr viele Menschen haben sich für dieses Thema eingesetzt. Ich würde mir wünschen, dass unsere Gesellschaft für das Thema Menschen mit Behinderung genauso sensibel werden würde. laut einer repräsentativen Umfrage unter sehenden Menschen aus dem Jahr 2016 fühlen sich 55 % der Befragten unwohl in der Gegenwart von blinden Menschen. Diese Studie zeigt leider zu deutlich, dass Menschen mit Behinderung immer noch kein normaler und selbstverständlicher Teil der Gesellschaft sein dürfen. Und ich wünsche mir Menschen um mich herum, bei denen ich einfach ich sein kann, meine Behinderung oder Hautfarbe keine Rolle spielt und bei denen ich nicht ständig das Gefühl haben muss nicht dazuzugehören. Manchmal würde ich viel dafür geben die Blindheit und alles Negative was damit verbunden ist los zu werden. Aber es gibt keinen Ausweg aus der Blindheit, es bleibt nur das weiterkämpfen. Schon morgen kann die Sonne wieder scheinen.

Blinde Menschen und die Liebe

Erst vor kurzen war er wieder da, der Tag, der jedes Jahr bei manchen für große Glücksgefühle sorgt und bei anderen nur zu Kopfschütteln oder Ablehnung führt. Die Rede ist vom Valentinstag, dem Tag der Liebe und Liebenden. Für Perspektivwechsel ist dieses Ereignis Grund genug über das Thema Liebe bei blinden Menschen zu berichten und dabei mit so manchen Vorurteilen aufzuräumen.

Wie verlieben sich Blinde? Was finden blinde Menschen am anderen Geschlecht attraktiv? Sind blinde Menschen wirklich nicht oberflächlich und schauen nur auf die inneren Werte? Wie verhält es sich mit der Sexualität? Und was halten blinde Menschen von Sprüchen wie „Liebe macht blind?“

Es gibt ziemlich viele Fragen, zu denen ich etwas schreiben könnte. Zunächst ist aber entscheidend, dass nicht alle blinden Menschen gleich sind. Das zeigt sich besonders bei so persönlichen Themen wie die Liebe. Das was für mich große Bedeutung hat kann für einen anderen Blinden völlig bedeutungslos sein. Wenn ich hier über das Thema Blindheit und die Liebe schreibe berichte ich deshalb sehr viel von meinen eigenen Erfahrungen und Emfindungen. Manches davon mag auch für andere Blinde gelten, manches hat auch gar nichts mit einer Behinderung zu tun. Aber lies selbst:

Liebe ist Liebe

Bevor wir über die Unterschiede beim verlieben und lieben zwischen blinden und sehenden Menschen sprechen, müssen wir erst einmal über etwas reden, was für alle gleich sein dürfte; nämlich die Liebe selbst. Als ich noch in einer Beziehung war wurde ich immer wieder gefragt, wie denn eine Beziehung mit einer sehenden Frau funktionieren kann? Seit dem ich wieder alleine bin und das Thema Partnersuche wieder aktueller geworden ist fragen mich die Leute, wie sich denn Blinde Menschen verlieben können? Die Antwort darauf ist verblüffend einfach: „Love is the answer!“ Liebe ist Liebe! Liebe ist etwas, was mit starken Emotionen und Gefühlen zu tun hat und das funktioniert bei blinden Menschen genau so wie bei nicht blinden Menschen. Liebe kennt keine Behinderung, keine Hautfarbe und keine Nationalitäten. Liebe ist etwas zutiefst menschliches. Das ist eine von vielen tollen Eigenschaften von Liebe. Da sich Liebe für blinde Menschen genauso anfühlt wie viele sehende Menschen reagieren viele blinde oft eher genervt auf Sprüche wie Liebe macht blind, deshalb müssen blinde Menschen ja voll von Liebe sein. Wenn ich hier also über blinde Menschen und Liebe schreibe sollte man dies immer im Hinterkopf behalten. Wir kommen später nochmal darauf zurück… ich denke dass der Spruch eher ausdrücken soll, dass man im verliebten Zustand nur noch Sinn für den Partner der Wahl hat und das Leben außen rum völlig ausblendet und manchmal auch über Eigenschaften des Partners hinweg sieht, die einem ansonsten vielleicht eher unsympathisch sind.

Nachdem wir das mit den Gefühlen geklärt haben können wir auch über so manche unterschiede beim lieben sprächen. Und die begegnen uns beispielsweise, wenn wir darüber reden, was ich als blinder Mann an einer Frau attraktiv finde. Während sich bei sehenden Menschen alles um das aussehen dreht stehen für mich andere Dinge im Mittelpunkt. So interessiert mich, und sicherlich die meisten Blinden in erster Linie die Stimme des Gegenübers.. Die Stimme des Gegenübers ist für mich vermutlich dass, was für sehenden Menschen die Körperfigur ist. Und hieran lässt sich auch gut erkennen, dass eben nicht jeder blinde die gleichen Vorlieben hat. Während der andere eine eher hohe stimme attraktiv findet fühlt sich ein anderer stärker von einer tieferen Stimme hingezogen. Aber nicht nur der klang der Stimme ist interessant, sondern auch Dinge wie Sprachmelodie, Sprechgeschwindigkeit und Aussprache. Auch hier gibt es keine allgemein gültigen Merkmale, die für alle blinde Menschen gleich spannend sind. Neben der Sprachmelodie achte ich zum Beispiel stärker auf das Lachen einer Frau.

Eine weitere wichtige Sache ist für mich der Geruch einer Frau. Und das ist gar nicht so komisch oder ausgefallen, wie es vielleicht im ersten Moment klingen mag. Wenn ich Menschen erzähle, dass der Geruch für mich eine sehr wichtige Rolle bei der Partnersuche spielt reagieren die aller meisten sehr verwunderlich und fragen, ob sie stinken würden. Dabei geht es hier um ganz andere Dinge. Es geht um den ganz eigenen natürlichen Körpergeruch eines jeden. Und da gibt es erstmal niemanden, der von Natur aus stinkt. Ähnlich wie bei der Stimme oder auch für sehende bei der Körperfigur gibt es Gerüche, die ich attraktiver finde und Gerüche, die mich weniger stark anziehen. Übrigens haben Wissenschaftler herausgefunden, das beim verlieben Pheromone eine entscheidende Rolle spielen. Pheromone sind im Grunde genommen die Duftstoffe des eigenen Körpers, die jeder von uns abgibt. Wenn sich zwei Menschen begegnen steigen uns die Pheromone in die Nase. Beim verlieben spielt dies eine wichtige Rolle. So entscheidet unser Gehirn u.A. anhand der Pheromone, ob wir unseren gegenüber auch sexuell anziehend finden oder nicht. Dies geschieht in Sekundenschnelle noch bevor Menschen miteinander gesprochen haben und zumeist auch bevor man den ersten intensiveren Blickkontakt hatte. Zudem ist keiner unserer Sinne so stark mit dem. Gehirn verknüpft wie unser Geruchssinn. Du merkst: so seltsam ist es also gar nicht, wenn dir eine blinde Person sagt, für sie sei der Geruch einer Person wichtig. Und da haben wir wieder etwas gefunden, was bei blinden und sehenden Menschen grundsätzlich gleich ist. Der Unterschied liegt hierbei eigentlich nur darin, dass ich als blinder bewusster auf den Geruch achte, während er bei sehenden Menschen zunächst eher unterbewusst eine Rolle spielt.

Nach dem kurzen Exkurs in den Biologieunterricht wenden wir uns nun wieder praktischeren Fragen zu und wollen die frage klären, ob es stimmt, dass blinde Menschen grundsätzlich weniger oberflächlich sind. Und auch hier muss mit einem sich hartnäckig haltenden Vorurteil aufgeräumt werden. Ob ich bei der Partnersuche mehr auf äußere Merkmale Wert lege oder nicht hat nichts damit zu tun, ob ich blind bin oder nicht! Wenn ich meinen Partner nur nach dem klang der Stimme und dem Körpergeruch auswähle hat das genau so wenig mit Inneren Charaktereigenschaften zu tun, wie wenn eine sehende Person nur auf einen möglichst durchtrainierten Körper Wert legt. Es hat sehr viel mit der eigenen Persönlichkeit zu tun worauf ich bei der Partnersuche achte. Vielleicht kann man argumentieren, dass die Stimme eines Menschen viel natürlicher ist, als das Geschminkte Gesicht einer Frau oder die hoch gegelten Haare eines Mannes. Die Schönheitsindustrie kümmert sich nun mal vor Allem um das Aussehen. Die Stimme lassen wir dabei(glücklicherweise) außen vor. Oder kennst du jemanden, der freiwillig vor einem Date eine ordentliche Priese Helium inhaliert? Keine Gute Idee und bitte keinen Selbstversuch starten!

Bei der Stimme können blinde Menschen also sagen, dass sie weniger stark von Verschönerungen betroffen sind und einen natürlicheren Eindruck bekommen. Damit ist es jedoch auch schon wieder vorbei, wenn wir nochmal über den Geruch sprechen. Denn dieser kann durch Parfüm, Deo oder Shampoo stark beeinflusst werden. Das ist dann für blinde Menschen wie das Outfit für sehende Menschen. Die Körperfigur ist die eine Sache, aber wie sich eine Person anzieht und stylet ist sicherlich auch nicht unwichtig. Für mich ist gerade der natürliche Körpergeruch einer Frau kombiniert mit ihrem Parfüm oder Shampoo interessant. Weil jeder einen individuellen Körpergeruch hat riecht ein und das selbe Parfüm bei zwei verschiedenen Frauen auch unterschiedlich. Das ist ähnlich wie das mir ein T-Shirt gut stehen kann und bei einem anderen Typen überhaupt nicht passend aussieht. Und du hast es bestimmt schon gemerkt: schon wieder eine Ähnlichkeit zwischen Blinden und Sehenden.

Neben Stimme und Geruch gibt es noch weitere Merkmale, die bei der Partnersuche eine Rolle spielen. Diese sind aber von Typ zu Typ sehr unterschiedlich. Bei mir passiert beispielsweise viel über den Händedruck oder das Umarmen. Natürlich spielen für mich auch Dinge wie Körperfigur oder der Kleidungsstil einer Frau eine wichtige rolle. Bei solchen Dingen ist jedoch die Schwierigkeit, dass ich durch die Blindheit in der Regel keine Möglichkeit habe zu Erfahren, wie die Körperfigur einer Frau ist. Das Problem liegt auf der Hand: wenn mich die Brüste einer Frau interessieren müsste ich sie berühren, um zu wissen, wie sie aussehen. Das ich allerdings nicht einfach wildfremde Frauen anfasse muss nicht extra erwähnt werden. Bis zu einem gewissen Punkt bekommt man Informationen über den Körperbau über die Stimme des anderen und auch ein Stück weit beim Umarmen. Alles andere gehört solange in die Fantasie, bis man mit jemanden intimer wird und der Gegenüber bereit ist, mir auch diesen Bereich zu öffnen. Schon etwas einfacher ist es da mit Dingen wie der Kleidungsstil. Da bekommt man zum Beispiel relativ viel von mit, wie sich der Stoff einer Person anhört, wenn sie sich bewegt. Manche Stoffe rascheln bei der Bewegung stärker als andere. Hat eine Frau beispielsweise Schuhe mit Absätzen an hört es sich ganz anders an, wie wenn sie Schuhe ohne Absätze trägt oder mit Flip Flops herumläuft. Ist eine Frau Fan von Armbändchen hört man das meistens auch, wenn eine Frau ihren Arm bewegt oder einen die Hand gibt.

Nun fragst du dich vielleicht noch, wie es sich bei blinden Menschen mit der Sexualität verhält. Erinnerst du dich noch an den Anfang des Textes? Keine Angst! Bevor du jetzt genervt hochscrollst verrate ich dir, dass wir darüber gesprochen hatten, das Liebe ein Gefühl ist, was keine Behinderungen, Geschlechter oder Nationalitäten kennt. Nicht viel anders ist es mit dem Thema Sex. Das Verlangen nach Sex ist auch etwas, was mit bestimmten Hormonen und Emotionen zu tun hat. Ich sage immer: „Meine Blindheit ist eine Sinneseinschränkung und keine Gefühlseinschränkung!“ Blinde Menschen haben genau wie sehende Menschen das Verlangen nach Sex. Und natürlich haben blinde Menschen mit ihren Partnern auch ganz normalen Sex! Die Blindheit wirkt sich hier in keinster Weise auf die Sexualität aus.

Zu guter letzt müssen wir noch darüber sprechen, das die Blindheit nur eine von ziemlich vielen Eigenschaften von Menschen wie mir ist. Das Wissen wirkt sich auch auf meine Partnersuche aus. Natürlich warte ich auf die Frau, die mich mit meiner Blindheit liebt und mich auch in den damit verbundenen Schwierigkeiten unterstützt. Aber meine zukünftige Partnerin muss auch mit meinen verrückten Ideen die ich manchmal habe und dann alles daran setze sie in die Tat umzusetzen klarkommen, oder mit meinem Humor, oder damit dass ich Christ bin, das ich Fußball spiele, dass ich eher ein romantisch veranlagter Mensch bin, dass ich oft eher emotional rational bin dass ich das Großstadtleben liebe, dass ich mich immer noch wie ein kleines Kind freue, wenn ich U-Bahn fahren kann, oder dass ich manchmal Nachts um 3:00 Uhr Döner oder Sushi bestelle, oder, oder oder… Jeder Mensch hat so viele verschiedene Eigenschaften, die ihn besonders und einzigartig machen und das ist auch bei blinden Menschen nicht anders. Mit einer Frau, die mich nur auf das blind sein reduziert(egal ob das für sie positiv oder negativ ist) wird es wahrscheinlich schwierig eine Beziehung zu führen, weil ich mehr bin als nur meine Blindheit. Genau so darf ich nicht nur darauf schauen, was eine Frau über meine Blindheit denkt, sondern muss den ganzen Menschen sehen und dann muss man gemeinsam schauen, ob man bereit ist das ganze Leben miteinander zu teilen.

Blindenfußball-Bundesliga startet in Erfurt

Endlich ist es wieder soweit! Auch in der Blindenfußball-Bundesliga(DBFL) rollt ab dem kommenden Wochenende wieder das Rasselnde Leder. In Erfurt startet die 13. Saison, in der insgesamt sechs Teams, um den Titel kämpfen. Perspektivwechsel hat die wichtigsten Infos zu den teilnehmenden Mannschaften, dem Spielmodus und Spielorten zusammengestellt

Diese Teams sind dabei

Sechs Teams aus ganz Deutschland kämpfen um die begehrte Trophäe. Die Fans dürfen sich dieses Jahr über einen prominenten Neuling freuen. Hertha BSC Berlin, bekannt aus der Bundesliga im sehenden Fußball gründete jüngst eine eigene Abteilung für Blindenfußball und geht in einer Spielgemeinschaft mit dem PSV Köln nun auch in der Blindenfußball-Bundesliga auf Titeljagd. Insgesamt setzt sich das Teilnehmerfeld aus folgenden Teams zusammen: Sportfreunde blau-gelb Blista Marburg (Titelverteidiger), FC ST. Pauli, FC Schalke 04, Borussia Dortmund, MTV Stuttgart SG PSV Köln/Hertha BSC Berlin.

Der Modus

Die Corona – Pandemie hat auch Auswirkungen auf den Blindenfußball. So wurde der Liga Start von Mitte Mai auf Mitte September verlegt. Doch auch im Spielbetrieb sind die Auswirkungen noch spürbar. So wird der deutsche Meister nicht wie in den letzten Jahren in Hin- und Rückrunde ausgespielt, sondern in einer einzigen Runde jeder gegen jeden und einem Finalspieltag, an dem der Fünftplatzierte gegen den Sechsplatzierte, der Drittplatzierte gegen den Viertplatzierten und der Erstplatzierte gegen den Zweitplatzierten die Abschlusstabelle ausspielen. Ebenfalls anders ist, dass zwischen den einzelnen Spieltagen nicht wie sonst üblich 4-6 Wochen liegen, sondern dass die gesamte Saison im Zeitraum vom 12.09. bis zum 24.10. ausgetragen wird. Insgesamt gibt es vier Spieltage. Diese finden neben Erfurt noch in Dortmund (19.09. – 20.09.), Hamburg (10.10. – 11.10.) und Magdeburg (24.10.) statt. Somit wird diese Saison mit Abstand die kürzeste in der Geschichte des deutschen Blindenfußballs sein.

Wer ist Titelfavorit?

Wurde die Liga in ihren anfangs Jahren vor allem von Stuttgart und Marburg dominiert, kristallisierte sich in den letzten Jahren vor allem das Duell zwischen dem FC St. Pauli und Marburg als Kampf um den Titel heraus. Dennoch ist eine Prognose dieses Jahr besonders schwierig. Es bleibt abzuwarten, wie die einzelnen Teams die coronabedingte Trainingspause verkraftet haben, und welche Mannschaft am besten mit dem dicht getakteten Spielplan zurecht kommen wird.

Der Spielplan

1. Spieltag, 12.09. in Erfurt(Domplatz):

11:00 Uhr: SF BG Blista Marburg – FC Schalke 04

13:00 Uhr: FC St. Pauli – Borussia Dortmund

15:45 Uhr: SG PSV Köln / Hertha BSC – MTV Stuttgart

2. Spieltag, 19.09.-20.09. Dortmund(Derner Str. 423B):

Samstag:

10:00 Uhr: SF BG Blista Marburg – FC St. Pauli

13:00 Uhr: Borussia Dortmund – MTV Stuttgart

16:00 Uhr: FC Schalke 04 – SG PSV Köln / Hertha BSC

10:00 Uhr: FC St. Pauli – MTV Stuttgart

Sonntag:

13:00 Uhr: SF BG Blista Marburg – SG PSV Köln / Hertha BSC

15:0 0:00 Uhr:

Borussia Dortmund – FC Schalke 0415:0 0:00 Uhr:Borussia Dortmund – FC Schalke 04

Dritter Spieltag, 10. Oktober – 11. Oktober Hamburg (Borgweg 17A)

10:00 Uhr:SG PSV Köln / Hertha BSC – Borussia Dortmund

13:00 Uhr: SF BG Blista Marburg – MTV Stuttgart

16:00 Uhr: FC St. Pauli – FC Schalke 04

Sonntag:

10:00 Uhr:SF BG Blista Marburg – Borussia Dortmund

13:00 Uhr: MTV Stuttgart – Fc Schalke 04

15:00 Uhr: FC St. Pauli – SG PSV Köln / Hertha BSC

Vierter Spieltag, 24. Oktober Magdeburg (Domplatz)

10:30 Uhr: Spiel um Platz 5

14:00 Uhr: Spiel um Platz 3

15:45 Uhr: Spiel um Platz 115:45 Uhr: Spiel um Platz 1

Das online Portal blindenfussball.net bietet Audio – Spielbeschreibungen zu allen Spielen, sowie ausführliche Hintergrund Infos an. Auf Perspektivwechsel gibt es zeitnah alle Ergebnisse und wichtigsten Infos kurz zusammen gefasst.

Corona-Krise: Ein Wochenbericht aus dem Home-Office

Keine Frage, die Corona-Krise verlangt allen Menschen zurzeit viel ab. Das öffentliche Leben steht still, soziale Kontakte sind fast nur noch digital möglich und auch sonst verändern die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie unseren Alltag. Zu Hause bleiben ist aktuell das oberste Gebot.
Doch was tun, damit einem nicht die Decke auf den Kopf fällt?
Ein Wochenbericht aus dem Home-Office J. Schneider in Kassel.
Von Online-Vorlesungen, Gottesdiensten auf dem Sofa und digitalen Spieleabenden.

Stell dir vor es ist Uni, und niemand geht hin

Mittwochmorgen 08:00 Uhr:
Eigentlich ein ganz normaler Morgen Ende April in Kassel. Das Sommersemester hat vor wenigen Tagen begonnen, die Sonne scheint, die Vögel singen und ich versuche mich mehr oder weniger erfolgreich für eine Vorlesung in der Uni vorzubereiten. Wer hat eigentlich festgelegt, dass Vorlesungen bereits um 08:00 Uhr beginnen dürfen? Und wie war das noch gleich; Studenten können jeden Tag bis mindestens 12:00 Uhr ausschlafen, weil man ja sowieso nicht vor 16:00 Uhr in der Uni sein muss?
Entweder ich studiere das Falsche, oder aber an diesen Vorurteilen ist nichts dran. Und so quäle ich mich aus dem gemütlichen Bett und rüste mich mit Laptop aus. Ganz normal also?
Nein, etwas ist anders an diesem Tag, denn statt in die überfüllte Straßenbahn, die mich zur Uni befördert geht es nur ein paar Schritte weit bis zu meinem Schreibtisch. Online-Vorlesung statt Präsenzlehre steht heute auf dem Plan. Und nicht nur heute, sondern wo möglich das ganze Semester. Nicht etwa, weil die Universität Kassel die Digitalisierung für sich entdeckt hat, sondern weil Corona-Krise ist. Und so komme ich in den Genuss den Ausführungen meines Theologie-Professors vom Schreibtisch aus zu lauschen.
Im Großen und Ganzen eine ganz entspannte Sache dieses Home-Office. Und für mich in vielen Punkten auch viel einfacher. Ich muss mich nicht in eine überfüllte Straßenbahn quetschen, muss mir niemanden organisieren, der mich zu meinem Hörsaal bringt und Angst, mich auf dem unübersichtlichen und verwinkelten Campus zu verlaufen, muss ich auch nicht haben.
Statt großer und voller Hörsaal entspanntes (fast) leeres Wohnzimmer.
Doch die Nachteile zeichnen sich ebenso schnell und deutlich ab. Keine Kommilitonen und Freunde, mit denen man sich über die Inhalte austauschen kann, kein Professor, dem man direkt Fragen stellen kann und keine Diskussionen. Und das Wichtigste: Keine Treffen mit Freunden in der Mensa nach, vor oder zwischen den Veranstaltungen. Meine Freunde, mit denen ich normalerweise ein- bis zweimal pro Woche mensen gehe; sie fehlen mir jetzt schon. Und das Semester hat gerade erst begonnen; das kann ja heiter werden.

Arbeiten im Homeoffice:Johannes liest in der Blindenschrift-Bibel
Arbeiten im Homeoffice:Johannes liest in der Blindenschrift-Bibel


Mensen mal anders

Mittwoch 12:00 Uhr:
Die Online-Veranstaltungen der Uni habe ich mehr schlecht als recht hinter mich gebracht. Also habe ich mir ein leckeres Mittagessen verdient. Also ab mit Freunden in die Mensa und eine leckere Portion holen … ach nein, halt Stopp! Da war ja was; Corona und so… Also doch wieder nur Nudeln mit Pesto? Oder Essen bestellen beim Lieferdienst des Vertrauens? „Aber Bestellen ist so teuer und wir haben doch erst letzte Woche bestellt und… Ach egal, besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen!“ Also doch gute italienische Pizza anstatt Dosenravioli.“Beim nächsten Mal wird dann aber wirklich selbst gekocht! Also wirklich…“ Vielleicht ja ein Rezept, was das Studierendenwerk der Uni Kassel aus der Mensa gepostet hat? Oder doch nur Tiefkühlpizza? Da stellt einen die Krise vor ganz neue Herausforderungen.

Wenn der beschauliche Stadtteilpark zum angesagten Hottspott wird

Mittwoch 16:30 Uhr:
In meinem Stadtteil gibt es einen kleinen Park. Eigentlich nichts Besonderes; ein paar Spazierwege, ein winziger Bach der, wenn er nicht gerade ausgetrocknet ist; mitten hindurchfließt, einige Bäume und hin und wieder Sitzbänke.
In der Regel trifft man hier eher wenig Menschen, doch in Zeiten von „Wir bleiben zu Hause“ ist alles anders. Denn einfach nur zu Hause sitzen bleiben halten die meisten dann doch nicht die ganze Zeit durch. Und so geht es für viele ab in den Stadtteilpark. Und so hat es den Anschein, als ob der gesamte Stadtteil im Park spazieren geht. Spazieren gehen als neuer Volkssport? Warum eigentlich nicht? Wetter ist ja traumhaft schön in diesen Tagen und so begebe ich mich ebenfalls in den neuen Hottspott-Park Bossentalpark-Kassel-Fasanenhof. Dir sagt dieser Park nichts? Kein Problem, bestimmt kommt der noch ganz groß raus; irgendwann in der Post-Corona-Epoche.

Kaffelust und Unifrust:

Donnerstag 10:30 Uhr: Der Kaffee und das Frühstück schmecken ausgezeichnet, die Online-Veranstaltungen der Uni dafür umso weniger. Denn obwohl man meinen sollte, das mit einem digitalen Semester für blinde Menschen alle Sorgen erledigt sein müssten, stellen sich durchaus größere Schwierigkeiten für mich ein. So kann ich beispielsweise gleich mehrere hochgeladene Präsentationen der Professoren und Dozenten an meinem Laptop nicht öffnen, da meine Sprachausgabe diese nicht auslesen kann. Die Erklärvideos, die in den Präsentationen verarbeitet sind und uns Studierenden beim Durchblättern der Folien helfen sollen, sind an und für sich eine sehr gute Sache, bringen mir jedoch auch nichts, wenn ich die Präsentationen nicht öffnen kann. Wie gut, dass ich für solche Fälle Studienassistenzen habe, die mir die Präsentationen und Dokumente in für mich lesbare Form umwandeln können. Das sind ganz ganz liebe Menschen aus meinem Freundeskreis, die sich bereiterklärt haben, neben ihrem eigenem Studium mich zu unterstützen und überall einzuspringen, wo ich alleine nicht weiterkomme.Ohne diese Menschen könnte ich mein Studium sofort abbrechen! An dieser Stelle ein ganz ganz dickes Dankeschön und eine virtuelle Umarmung mit ganz viel Liebe an meine Studienassistenzen.

Ein Hoch auf das Digital-Oldschoolzeitalter

Freitag 20:00 Uhr:
Was wurde nicht schon alles über die jüngere Generation geschimpft. Wir, die Kinder der 90er und frühen 2000er, die mehr oder weniger mit Internet, Computer und etwas später auch mit Handys groß geworden sind, müssen uns schon so Einiges anhören. Spöttisch nennt man uns die Generation „Kopf nach unten“ oder interpretiert das Y in der Bezeichnung Generation Y als Daumen-Hoch-Emojy von Facebook. Telefonieren können wir ja sowieso nicht, weil wir ja nur noch über Messenger-Dienste kommunizieren. Gelegentlich lassen wir uns auch mal zu Audio-Nachrichten hinreißen; aber bitte nicht länger als 2:30min. Telefonieren oder Briefe schreiben ist doch irgendwie Oldschool … oder etwa doch nicht?
Seit social-distancing unser Leben bestimmt, wird in Deutschland und weltweit nachweislich wieder öfter telefoniert. Nicht etwa mit diesen total komischen Geräten mit Schnur und Tasten aus den 90ern, sondern ganz modern mit Smartphone oder Laptop. Wir verabreden uns ganz traditionell und doch modern in Chat-Rooms, wir führen Telefonate und veranstalten Spieleabende. Somit sind wir oldschool, aber gleichzeitig innovativ und zukunftsorientiert.
Der Spieleabend mit Freunden ist eine tut gut und ist eine tolle Ablenkung zum alleine sein, jedoch ist es nicht das gleiche wie sich im wirklichen Leben zu treffen. Gleiches gilt für Telefonate und Chatten. Also nach der Corona-Krise vielleicht doch etwas mehr Oldschool als Digital!

Traumreise ins Ruhrgebiet

Samstag 15:30 Uhr:
Zeit für die Bundesliga! Eintracht Frankfurt hat heute eine ganz besondere Aufgabe vor der Brust. Es geht gegen … niemanden! Natürlich hat die aktuelle Situation auch Auswirkungen auf den Sport und so findet kein Fußball statt.
So ganz will ich aber nicht auf Stadion-Atmosphäre verzichten.
Und deshalb wird unser Wohnzimmer kurzer Hand zum Stadion um dekoriert. Stadion bauen statt Fußball schauen heißt für diesen Samstagnachmittag unser Motto. Und so schaffen wir es ein 3d-Modell der Veltins-Arena von Schalke 04 zu basteln. Passend dazu krame ich meinen Blindenfußball vom Dachboden hervor. Jetzt schmücken Veltins-Arena und Fußball unsere Wohnung und sorgen für ein wenig Fußball-Stimmung.


Blick auf gepuzzelte Tribüne von 3D-Modell.

Blick auf gepuzzelte Tribüne von 3D-Modell.

Außerdem erinnert uns die Veltins-Arena an das Ruhrgebiet. Ob man es glaubt oder nicht, aber meine Frau und ich sind große Fans vom Ruhrgebiet. Der Pott; das bedeutet für uns die Region wo viele Freunde von uns Leben, die Region, in der wir nach Corona mal leben möchten und die Region, wo wir gefühlt wöchentlich samstags hinfahren.
Mit Ausflügen nach Essen, Bochum oder Dortmund ist es zurzeit etwas kompliziert, aber dafür muss unser Wohnzimmer eben als Mini-Ruhrgebiet herhalten. Passend dazu habe ich eine Blindenschriftlandkarte von Nordrhein-Westfalen, auf der auch die wichtigsten Ruhrgebietsstädte verzeichnet sind. Wenn schon nicht im echten Leben, dann wenigstens ein Ausflug mit dem Finger auf der Landkarte.

Dazu am besten noch eine leckere Currywurst mit Pommes und ein gekühltes Bier. Grönemeyers Hit „Bochum“ oder das Steiger Lied dürfen selbstverständlich auch nicht fehlen.
Du fragst dich, wieso wir das Ruhrgebiet mögen und später dort leben wollen? Du denkst das Ruhrgebiet ist grau und hässlich? Als Blinder sag ich dir: „Grau, Grün, Blau oder weiß; für mich sieht alles gleich aus!“ Und ansonsten „Glück Auf!“ Ker ker, Watt bessres gibbet nich!

Einfach mal ne Runde kicken

Samstag 19:00 Uhr:

Wenn man schon ein 3-D Modell eines Fußballstadions im Wohnzimmer stehen hat, kribbelt es einem als Fußballfan ganz schön im Fuß. Und so schnappen wir uns den Blindenfußball und stürmen die Wiese vor unserer Haustür. Eine kleine Trainingseinheit Blindenfußball kann nicht schaden! Zwar gleicht die Wiese eher einem Acker als dem gepflegten Rasen in der Veltins-Arena, jede Menge Spaß haben wir aber trotzdem. Was unsere Nachbarn davon halten, dass unser Stadtteil neben einem angesagten Park jetzt auch ein Blindenfußball-Stadion hat, ist bislang noch nicht überliefert.

Johannes trippelt mit dem Blindenfußball auf einer Wiese mit Bäumen
Johannes trippelt mit dem Blindenfußball auf einer Wiese mit Bäumen

Ausgehen in der Balkonia-Bar Kassel

Samstag 22:30 Uhr:
Saturday Night, let’s have some fun…, doch nicht einmal die Clubs, Bars und Kneipen auf der „Fritze“ Kassels Party-Meile, die außer am Wochenende Friedrich-Ebert-Straße heißt, haben zur Zeit geöffnet.
Aber alles kein Problem, denn es gibt eine neue Bar in Kassel, die alles bis her Dagewesene in den Schatten stellt. Ich rede von der „Balkonia-Bar-Kassel“. Kennt ihr nicht? Noch so etwas, was in der Post-Corona-Epoche groß rauskommen wird. Best Cocktails in Town gemixt von der besten Barkeeperin der Stadt und selbstverständlich die angesagteste Musik aufgelegt vom angesagtesten DJ des Landes, dazu reinstes Summer-Feeling; und das alles umsonst und draußen. Naja, das mit dem umsonst stimmt natürlich nicht wirklich und ob unser Balkon jemals zur angesagten Bar wird darf zumindest bezweifelt werden. Trotzdem schmecken die selbstgemixten Cocktails ausgezeichnet.

2 Cocktails auf dem Tisch auf dem Balkon
2 Cocktails auf dem Tisch auf dem Balkon

Und Kirche kann eben doch modern

Sonntag 10:00 Uhr:
Ich weiß, viele nutzen den Sonntagvormittag lieber zum Ausschlafen als in den Gottesdienst gehen. Kirche ist doch nur was für alte Menschen und viel zu langweilig sind wohl die größten Vorurteile gegen die Kirche. Doch lass dich einmal auf einen Gottesdienst ein und du wirst dein blaues Wunder erleben; und dieses Mal rede ich nicht von einem Königsblauen Wunder vom FC Schalke 04. Kirche ist modern, weltoffen, aktuell und vor allem hilft ein Gottesdienst bei der Bewältigung der aktuellen Krise.
Du willst aber nicht in die Kirche gehen? Du weißt nicht wo der nächste Gottesdienst stattfindet? Näher als du denkst, nämlich bei dir zu Hause auf der Couch. Keine Sorge, es kommen kein Pfarrer und auch keine Gemeindemitglieder zu dir nach Hause, zumindest nicht persönlich. Aufgrund der aktuellen Lage werden zurzeit sämtliche Gottesdienste online zu dir auf die Couch gestreamt. Und du musst dir keine Gedanken machen, was du für Kleider in einem Gottesdienst anziehen sollst. Digitaler Gottesdienst funktioniert in der Jogginhose genauso wie im Sonntagshemd.
Für mich ist dies der wichtigste Termin im Home-Office J. Schneider, weil ich hier die Kraft bekomme, die man in dieser Krise benötigt.

Wie sieht zur Zeit euer Alltag aus und wie vertreibt ihr euch die Zeit?gerne könnt ihr mir einen Kommentar hinterlassen. Unter diesem Beitrag als Kommentar, auf Facebook oder als Persönliche Nachricht.

Das runde Leder und ich: Ein Hobby, bei dem meine Blindheit keine Rolle spielt

Was machen blinde Menschen in ihrer Freizeit? Die Hobbys von Menschen mit einer Sehbehinderung sind so vielfältig und unterschiedlich wie die Menschen selbst.
Eines meiner Hobbys ist Fußball.

Im Zweiteiler „Das runde Leder und Ich: Ein Hobby bei dem die Blindheit egal ist“ geht es um Stadionbesuche, die Möglichkeiten ein Fußballspiel zu verfolgen ohne sehen zu können, Führungen durch Stadien und vieles mehr.

Fußball ist rasant, spannend und verbindet Menschen. Millionen Fans auf der ganzen Welt sind begeistert vom runden Leder und fiebern Woche für Woche mit ihrer Lieblingsmannschaft mit. Auch mich hat das Fußballfieber gepackt. Deshalb war ich vor wenigen Wochen in der Veltins-Arena, um das Spiel meiner Lieblingsmannschaft Eintracht Frankfurt gegen Schalke 04 zu sehen.
Ein Artikel über die schönste Nebensache der Welt und ein Hobby, bei dem ich meine Blindheit gut vergessen kann.

Es ist ein eher frischer Sonntagnachmittag Mitte Dezember. Eintracht Frankfurt tritt in der Fußball-Bundesliga auswärts bei Schalke 04 an. Für mich wird dieses Spiel etwas besonderes sein, denn ich werde das Spiel live im Stadion verfolgen. Schon seit einigen Jahren schlägt mein (Fußball)herz für die Frankfurter Eintracht und ich war schon des Öfteren bei Heimspielen in der Commerzbank Arena, um das Team live zu unterstützen. Aber meistens kann ich meine Mannschaft nur von zu Hause aus vor dem Radio oder Fernseher verfolgen.
Doch an diesem Sonntag ist es anders. Zum ersten mal werde ich ein Auswährtsspiel der Frankfurter Eintracht im Stadion verfolgen können. Und das in der Schalker Veltins-Arena, ein Stadion, welches nicht zuletzt wegen seiner Dachkonstruktion, welches bei schlechtem Wetter geschlossen werden kann ein ganz besonderes Erlebnis ist.
Und so geht es ausgerüstet mit einem Frankfurt-Schal in einem Kleinbus voller Schalke-Fans nach Gelsenkirchen. Dort bin ich mit einem guten Freund verabredet. Gemeinsam schauen wir uns das Spiel an.

Blick auf Spielfeld und Haupttribüne der Commerzbank Arena: Johannes besuchte am 15.12.2019 die Schalker Veltins-Arena

Die Atmosphäre in einem Stadion mitzuerleben ist das, was ein Stadionbesuch für mich so besonders macht. Und für dieses Feeling ist es auch egal, ob man sehen kann oder nicht.
Wenn bei einem Heimspiel der Eintracht kurz vor Anpfiff die Club-Hymne „Im Herzen von Europa“ gesungen wird und anschließend das bei allen Eintracht-Fans beliebte Lied „Schwarz-Weiss- wie Schnee“ erklingt ist es wohl für jeden Fan etwas besonderes, egal ob man etwas sehen kann oder nicht.


Auch die Schalke-Fans sorgen mit ihrer besonderen Stimmung für eine tolle Atmosphäre. Das fängt schon vor dem Spiel an, als alle Schalke Fans zunächst die Hymne der Bergfahrer „Glück auf, der Steiger kommt“ und anschließend ihre eigene Hymne singen. Als sich das Stadion beim Steigerlied erhebt, ist eine ganz besondere Stimmung zu spüren. Auch als Frankfurt-Fan, der eine lautstarke Unterstützung der Fans von den Heimspielen gewöhnt ist, muss man der Verbundenheit der Schalke-Fans mit der Bergsteigertradition des Ruhrgebiets Respekt zollen.

Aber blind Fußball schauen? Und dann auch noch live im Stadion? Für viele Menschen klingt das erst einmal etwas seltsam. Schließlich können blinde Menschen ja nicht sehen, wo sich gerade der Ball befindet und ob der Stürmer ein Tor geschossen hat.
Zwar kann ich das Spiel nicht mit eigenen Augen verfolgen, aber dafür gibt es andere Möglichkeiten das Spielgeschehen mitzubekommen.

In vielen Stadien gibt es spezielle Reporter, die den Spielverlauf für blinde Menschen kommentieren. Man bekommt vor dem Spiel Kopfhörer, mit denen man sich die Reportage während des Spiels anhören kann. Die Reporter sind bemüht die Spielzüge der Teams so genau wie nur möglich zu beschreiben. So sind auch blinde und sehbehinderte Fans immer über jede Aktion auf dem Platz informiert.

Das Spiel in der Schalker Veltins-Arena wird von zwei guten Reportern kommentiert. Die Reportage macht es möglich, dass sich mein Freund und ich über jede einzelne Aktion des Spiels austauschen können. Mein Freund sieht das Spiel; ich verfolge die Reportage.
Und so bekomme ich mit, wie sich von Anfang an ein Spiel entwickelt, indem Schalke die bessere Mannschaft ist. Die Zuschauer sehen oder hören zwar nicht besonders viele Torchancen, aber eine Schalker Mannschaft, die das Spiel kontrolliert. Und so kommt es kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit wie es kommen muss: Fehlpass eines Frankfurter Verteidigers in der eigenen Hälfte, der Schalker Stürmer Harit geht unbedrengt mit Tempo auf den Frankfurter Strafraum zu und spielt den Ball in den Lauf von seinem Teamkollegen Raman, der mit seinem Linksschuss ins lange Eck das 1:0 für Schalke erzielt. Tor Für Schalke; das ist die verdiente Führung.

Um uns herum singen, tanzen und feiern die Schalke-Fans ausgelassen. Die Stimmung im Stadion ist natürlich jetzt zumindest bei den Schalke-Fans gut. Die ohnehin schon lautstarke Unterstützung des Blau-Weisen Publikums wird nach dem Tor nochmal deutlich lauter und euphorischer. Besonders die berühmte Schalker Nordkurve, wo sich die hartgesottenen Fans befinden, machen mit ihren Sprechchören auf sich aufmerksam. Auch als Eintracht-Fan muss ich anerkennen, dass die Atmosphäre in der Veltins-Arena unglaublich ist.

Schalke führt und wird die Führung auch nicht mehr hergeben. Auch wenn die Eintracht nach dem Rückstand versucht den Ausgleich zu erzielen und nach einer roten Karte für den Schalker Torhüter fast 30min in Überzahl spielen darf. Der Sieg bleibt auf Schalke.

So verliert die Eintracht und mir bleibt immerhin die Hoffnung auf das Rückspiel in der heimischen Commerzbank Arena.
Auffallend positiv ist, dass die meisten Menschen, die meinem Freund und mir im Stadion begegnen sehr hilfsbereit und freundlich sind und viel Rücksicht auf mich und meine Blindheit nehmen.
Dies macht den Besuch in der Veltins-Arena trotz Eintracht-Niederlage zu einer sehr positiven Erfahrung. Ich beschließe in Zukunft häufiger ins Stadion zu gehen und bestelle wenige Tage später Karten für ein Heimspiel der Eintracht.
Aber auch auf Schalke war ich ganz sicher nicht zum letzten mal.