Wie Corona das Leben von Blinden beeinflusst

Das Corona-Virus verändert zurzeit das Leben Aller Menschen. Home-Office und Social-distancing sind zu bestimmenden Merkmalen unseres Alltags geworden. Das öffentliche Leben ist quasi zum erliegen gekommen und jeder muss sich wohl oder übel zu Hause beschäftigen.
Doch was bedeutet die Corona-Kriese für blinde Menschen und wie können sie damit umgehen?
Ein Bericht aus meinem Alltag.

Abstandsregeln beachten nur schwer möglich

Eine der wichtigsten Maßnahmen zur Eindämmung des Virus ist das Abstandhalten zu anderen Menschen im öffentlichen Raum. 1,5-2m wird als Mindestabstand empfohlen. Doch für einen blinden Menschen ist es alles andere als einfach auf den Abstand zu den Mitmenschen zu achten.
Anderthalb Meter; das ist in etwa eine Blindenstocklänge. Doch trotzdem fällt es gerade in der Öffentlichkeit schwer Menschen nur mit dem Gehör möglichst genau zu lokalisieren. Wenn sich die Mitmenschen gar nicht oder kaum bewegen ist das Wahrnehmen nahezu unmöglich. Vor allem die Nutzung des ÖPNV oder das Warten in einer Schlange wird so zur fast unlösbaren Aufgabe.
Abhilfe schaffen einzig aufmerksame Mitmenschen, die mir Mitteilen wie groß die Entfernung zwischen ihnen und mir ist.
Zudem ist es schwierig, jemanden zu finden, der mich in der Öffentlichkeit begleitet und mich führt. Besonders wenn ich mich in einem Gebiet nicht gut auskenne suche ich mir eine Begleitperson, bei der ich mich einharken kann, um mich von ihr führen zu lassen. Doch genau dies ist unmöglich, wenn man den Mindestabstand einhalten möchte. Somit bin ich noch mehr auf mich alleingestellt und muss mich ohne sehende Hilfe zu Recht finden. Auch im Supermarkt ist es deutlich schwieriger eine Einkaufsbegleitung zu bekommen.

_ Berührungsverbot von Gegenständen in der Öffentlichkeit sorgt für Einschränkungen bei der Orientierung_
Immer wieder wird in den Medien davon gesprochen, dass sich die Corona-Bakterien auf einigen Oberflächen von Gegenständen mehrere Tage halten können. Deshalb wird dringend davon abgeraten Gegenstände wie Haltegriffe oder Metalloberflächen zu berühren.
Gerade die Berührung von Gegenständen ist für viele blinde Menschen jedoch wichtig, um sich zu orientieren. Suche ich beispielsweise in der Bahn nach einem Sitzplatz bleibt mir gar nichts anderes möglich, als die Sitze und Haltegriffe zu berühren. Ähnlich sieht es mit der Orientierung in Geschäften oder draußen aus. Egal ob ein Geländer an einer Treppe, Blindenschriftmakierungen an Aufzügen und Aufgängen zu Gleisen am Bahnhof oder das Abtasten einer Wand um eine Tür oder ein anderes Orientierungsmerkmal zu suchen; all das ist durch das Berührungsverbot kaum noch möglich.
In meinem Leben spielt sich ein großer Teil über die Haptik, also das ertasten meiner Umgebung ab. Natürlich kann man sich mit dem Tragen von Handschuhen gegen das Virus schützen, jedoch ist das Erfühlen dann nur noch eingeschränkt möglich. Eine Blindenschriftmakierung wird mit normalen Handschuhen beispielsweise unlesbar.

_ Verringertes Angebot im ÖPNV macht blinde weniger mobil _
Seit dem in Deutschland das öffentliche Leben nahezu zum Stillstand gekommen ist wurde auch der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) spürbar reduziert.
Dies bedeutet für mich ebenfalls eine starke Einschränkung in meinem Leben, da Blinde Menschen besonders stark auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind. Zwar birgt das Fahren mit Bus oder Bahn ein erhöhtes Ansteckungsrisiko, jedoch gewährleistet einzig ein stabiler Nahverkehr eine gute Mobilität. Da ich nicht auf Auto oder Fahrrad umsteigen kann muss ich mit den deutlichen Mobilitätsbeschränkungen leben.
Einzig eine Taxifahrt wäre möglich, jedoch sind auch diese eher eingeschränkt verfügbar und zudem um ein vielfaches teurer als die Bahnfahrt.

Social-Distancing als größte Herausforderung
AbstandHalten, nichts in der Öffentlichkeit anfassen oder die Einschränkungen in der Mobilität sind für sich genommen schon große Herausforderungen, doch am schwierigsten sind für mich die Kontaktbeschränkungen, die unser Leben seit einigen Wochen stark beeinflussen. Am schwierigsten deshalb, weil diese Regelungen neben den Herausforderungen für meine Blindheit auch noch eine soziale Komponente haben.

Wie bereits erwähnt ist es zurzeit schwierig Menschen zu finden, die mich Führen oder beim Einkaufen helfen. Darüber hinaus ist es nicht einfach auf Treffen mit Familie und Freunden zu verzichten. Um nicht ganz in der Isolation zu versinken gibt es ja einige Möglichkeiten, um auf digitalem Wege den Kontakt aufrechtzuerhalten. Doch leider sind vieles davon für mich nicht oder nur erschwert nutzbar, da viele Plattformen nicht mit meinem Laptop oder iPhone mit Sprachausgabe bedienbar sind.
Viele Menschen schicken sich zur Zeit Videos oder Fotos ihrer Aktivitäten im Home-Office zu. Bilder und Videos sind für mich allerdings nur selten zugänglich. Besser sind hier Sprachnachrichten oder Telefonate, da ich so auch die Stimme des Gesprächspartners wahrnehmen kann.
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_ Nicht alles ist schlecht _

Trotz der vielen Hindernisse, die die aktuelle Zeit mit sich bringt ist längst nicht alles schlecht und aussichtslos. Sehr positiv nehme ich der Zeit wahr, dass sich viele Menschen erkundigen, wie ich als blinde Person die Kriese bewältige und wie man mir helfen kann. Auch in der Öffentlichkeit reagieren die meisten Leute sehr verständnisvoll auf meine Blindheit.
Mit Familie oder Freunden zu telefonieren tut mir gerade sehr gut und gibt mir viel Energie.
Die Corona-Kriese hat für blinde Menschen einige besondere Herausforderungen, ist jedoch für mich zu bewältigen.

Wenn die Dunkelheit übermächtig erscheint

Viel zu selten wird in unserer Gesellschaft über Gefühle wie Traurigkeit, Schmerz oder Mutlosigkeit gesprochen.
Wir interessieren uns nur für die tollen Momente, für Erfolgsstorys und Heldengeschichten. Wir versuchen uns hinter unseren Siegen und guten Momenten zu verstecken. Doch hinter der glänzenden Fassade liegen immer auch die Schattenseiten, die Traurigkeiten und auch unsere Schwächen. In diesem Text soll es genau um die weniger angenehmen Themen gehen, weil diese zum Leben dazugehören.

Stell dir vor es ist ein herrlicher Frühlingstag. Die Sonne scheint, die Vögel singen und die Blumen blühen. Alle Menschen erfreuen sich am blauen Himmel, an der farbenfrohen Natur und an der Helligkeit des Tages. Und dann stell dir vor es bleibt trotzdem dunkel in deinem Leben. Du hörst zwar die Vögel und riechst den Frühling, die vielen bunten Farben und die Helligkeit aber siehst du nicht. Und viel mehr noch; du merkst, wie deine Mitmenschen voll und ganz in der Welt der Farben und im Licht aufgehen und du in der Dunkelheit feststeckst. Du fühlst dich einsam und verlassen. Du spürst, dass zwischen deiner Welt und der Welt deiner Mitmenschen die Dunkelheit steht.

Oder stell dir vor du bist immer derjenige, über den definitiv geredet wird, wenn du neu in einer Gruppe bist. Aber nicht dein Charakter, deine Hobbys und alles andere was dich ausmacht ist Gesprächsthema, sondern deine Blindheit. Jeder begegnet dir zunächst mit Vorurteilen, mit Vorsicht und des Öfteren auch mit Angst. Für die meisten bist du erstmals einfach der Blinde. Ein ungezwungenes kennenlernen ist kaum möglich, weil Blindheit und Vorurteile der anderen zwischen dir und deinen Mitmenschen stehen. Du weißt zwar, dass es die Menschen in der Regel nicht böse meinen, doch trotzdem fühlst du dich verlassen und alleine, weil du dich gefangen fühlst in der Dunkelheit.

Nicht immer ist das Leben mit Blindheit einfach und schön. Zwar lernt man mit der Zeit seine Behinderung zu akzeptieren, doch trotzdem gibt es diese Tage voller Verzweiflung, Trauer und Wut. Tage, an denen man sich am liebsten in die hinterste Ecke verkriechen würde und sich ganz der Traurigkeit ergeben möchte. Es sind diese Tage, an denen sich die Blindheit wie eine riesige Last anfühlt, unter der man zusammenbricht. Tage, an denen ich mich einsam, verlassen und unglaublich weit weg von meinen Mitmenschen entfernt fühle. Tage, an denen das nicht sehen können zu einem undurchdringlichen Gefängnis aus dunklen Mauern wird, aus dem es kein entrinnen gibt.
Und dann gibt es da noch die Fragen, die einen quälen und nicht mehr loslassen? Warum ausgerechnet ich? Warum kann nicht ein Wunder passieren, dass mich wieder sehend macht? Hat das Leben mit einer Behinderung überhaupt einen Sinn?

Blind zu sein bedeutet mehr als nur nicht sehen zu können. Es kann auch Einsamkeit, Isolation und Traurigkeit bedeuten.
Mit einer Behinderung zu leben bedeutet in einer Gesellschaft zu leben, die für Menschen ohne Behinderung gemacht ist und die zu oft keinen Platz für vermeintlich Schwächere bietet.

Menschen mit einer Behinderung werden im Alltag ständig damit konfrontiert, dass sie Dinge, die für die meisten Menschen normal sind, gar nicht oder nur mit großem Mehraufwand schaffen können. Damit umzugehen ist an vielen Tagen alles andere als einfach. Zumal einem an allen Ecken vermittelt wird, dass Schwächen in der Gesellschaft unerwünscht sind. Wo höher!schneller! weiter! Die einzigen Maßstäbe zu sein scheinen, werden Menschen, die diesen Prinzipien nicht entsprechen können vergessen und ausgegrenzt. In der Wahrnehmung der aller meisten Menschen ist eine Behinderung immer noch etwas Schreckliches, Schlimmes und Trostloses. Somit ich mich auch immer wieder dafür rechtfertigen muss, dass auch ein Leben mit einer Behinderung lebenswert sein kann.

Eine weitere Schwierigkeit ist die eingeschränkte Mobilität, die meine Blindheit mit sich bringt. Selbst Wege im nahen Umfeld müssen mühevoll erlernt werden, damit ich sie irgendwann selbständig und alleine benutzen kann. Möchte ich unterwegs sein bin ich stets auf öffentliche Verkehrsmittel oder sehende Personen mit Auto angewiesen. Einfach mal so mit dem Fahrrad in die Stadt, andere Städte besuchen und anschauen oder sich in ein Auto setzen und losfahren? Für mich nur ein Traum, der wohl nie Wirklichkeit werden wird.
Und ja, wenn ich so über all die beschriebenen Situationen nachdenke, lässt sich der Wunsch einmal wieder sehen zu können nicht an allen Tagen unterdrücken. Ein Wunsch, der aufgrund der besonderen medizinischen Situation wohl niemals in Erfüllung gehen kann.
Manchmal wird dieser Wunsch so groß, dass er zum dominierenden Gefühl in meinem Leben wird. Dann frage ich mich, ob ein Leben mit Blindheit wirklich lebenswert ist. Und manchmal werden mir die ganzen Herausforderungen zu viel und scheinbar unerträglich. Dann fehlt mir die Kraft trotz allem positiv nach vorne zu schauen. Dann fehlt die Energie die Blindheit als ganz normalen Teil meines Lebens zu sehen und das Beste daraus zu machen. Das nicht sehen können fühlt sich in solchen Momenten an, als ob ich von den bereits beschriebenen dunklen hohen Mauern gefangen wäre ohne jede Chance auf Befreiung. Denn die Blindheit lässt sich nicht einfach wie ein Mantel am Ende des Tages ablegen; blind bin ich immer und werde es wohl mein ganzes Leben bleiben. Besonders die scheinbar feststehende Endgültigkeit ist an diesen Tagen nur schwer zu ertragen, weil es eben auch heißt, dass mich die Herausforderungen und Schwierigkeiten mein ganzes Leben begleiten werden.

Doch was fängt man jetzt mit diesen negativen Gedanken auf? Ist es jetzt angebracht sich nur noch still und traurig in die hinterste Ecke zu verziehen? Darf ich überhaupt solch negative Gedanken haben und wenn ja, sollte ich diese nicht lieber für mich behalten um niemanden damit zu belästigen? Müsste es mir mit 25 Jahren nicht längst gelungen sein solche Gedanken endgültig zu verbannen?

Tatsächlich bin ich davon überzeugt, dass es auf all die vielen Fragen aus diesem Artikel keine allgemein gültigen Antworten gibt. Vor allem die Fragen, warum es Behinderungen und Krankheiten gibt kann kein Mensch auch nur ansatzweise beantworten. Auch Theologen verzweifeln seit Jahrhunderten an der sogenannten Theodizeefrage, die letztlich wissen möchte, warum gütiger Gott Leid, Unheil und Krankheiten zulässt.
Doch muss die Frage nach dem warum wirklich beantwortet werden? Ich denke es wäre viel entscheidender zu Fragen, wie wir mit Krankheit, Behinderungen und Schwächen umgehen. Diese Frage ist sowohl eine gesellschaftliche als auch eine individuelle Sache.
Eine Gesellschaft sollte kritisch hinterfragen, ob es nicht bessere Prinzipien als „Höher!deSchneller! Weiter!“ gibt. Eine Gesellschaft, die so gerne modern, bunt und vielfältig sein möchte sollte es nicht zulassen, dass schwächere Mitglieder oder solche die aus anderen Gründen nicht in das Mainstream-Schema passen ausgegrenzt werden. Letztlich hat jeder Mensch Schwächen und Stärken. Das ich nicht sehen kann macht mich noch lange nicht zu einem Menschen zweiter Klasse. Ich habe genauso Stärken, die ich in das gesellschaftliche Leben einbringen kann. Eine Gesellschaft ist dann am stärksten, wenn jeder unabhängig von Herkunft, Geschlecht und Behinderung gleichberechtigt seine Stärken einbringen kann und Schwächen nicht als Auskrenzungsmerkmal sondern als etwas ganz natürliches betrachtet werden.

Was die individuelle Seite betrifft hilft es mir am meisten zu spüren, dass ich ein Umfeld habe, in dem meine Behinderung keine große Rolle spielt. Freunde und Familie sind da, wenn es mir schlecht geht und sprechen mir Mut zu, wenn ich mutlos bin. Auch mein Umfeld kann die Blindheit nicht von mir wegnehmen, aber es hilft mir besser damit umzugehen.

Und nicht zuletzt ist der Glaube an Gott jeden Tag eine Ermutigung für mich. Ich glaube daran, dass es einen Gott gibt, der Himmel und Erde und alles Leben geschaffen hat und nicht möchte, dass es mir mit meiner Blindheit schlecht geht. Ich glaube auch daran, dass Gott auch Menschen mit einer Behinderung gebrauchen kann. Warum Gott zulässt dass ich blind bin und auch andere Krankheiten und Behinderungen nicht verhindert, werde ich nie verstehen können. Und trotzdem weiß ich, dass ich auf Jesus vertrauen kann, weil er mir jedes Mal aufs Neue die Kraft gibt mit der schwierigen Situation umzugehen. Jesus ist der Begleiter in meinem Leben, der mich immer wieder stärkt wenn ich schwach bin und mich immer wieder aufrichtet wenn ich das Gefühl habe die dunklen Mauern sind zu stark und zu groß für mich.

In der Bibel steht im Johannes-Evangelium: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.“(Johannes 8,12)

Dieses Licht konnte ich schon oft in meinem Leben spüren. Es ist stärker als die dunklen Mauern, die sich immer wieder um mich herum aufbauen wollen.

Und an einer anderen Stelle heißt es: „Ist Gott für uns, wer kann gegen uns sein?“(Römerbrief 8,31)und in Philipper 4,13 steht: „Alles kann ich durch Christus, der mir Kraft und stärke gibt.“

Jesus ist stärker als meine Blindheit und er lässt mich nicht im Stich. Kann es eine größere Kraft und eine größere Zuversicht geben? Ich kenne keine!

12 Dinge, die ich machen würde, wenn ich sehen könnte

Was wäre wenn? Jeder stellt sich des Öfteren diese Frage. Ob realistisch oder nicht spielt keine Rolle, wenn wir uns ausmalen wie unser Leben anders sein könnte. Das ist auch bei mir und meiner Blindheit nicht anders. Auch wenn nach heutigem Stand der Augenmedizin nahezu ausgeschlossen ist, dass ich jemals wieder sehen werde, stellt sich mir trotzdem oft die Frage was ich machen würde, wenn ich sehen könnte. Im Folgenden habe ich deshalb eine Liste mit Dingen, die ich wegen meiner Blindheit vermisse und die ich vermutlich tun würde, wenn ich sehen könnte zusammengestellt. Und wer weiß, vielleicht kann ich ja doch eines Tages die folgenden Dinge in die Tat umsetzen.

1. Meine Familie und Freunde mit eigenen Augen sehen

Wie sehen die Mitmenschen um mich herum eigentlich aus? Wie sehen meine Freunde aus wenn sie ein breites Lächeln im Gesicht haben? Und wie wenn sie traurig sind?

Solche Fragen stellen sich mir häufig. Zwar weiß ich bei meiner Familie und den engsten Freunden theoretisch grob wie sie aussehen, aber es macht einen riesigen Unterschied, ob du nur weißt, dass dein gegenüber braune Haare hat, weil man es dir erzählt hat oder ob du dein gegenüber mit eigenen Augen sehen kannst.

Könnte ich sehen würde ich mir meine Mitmenschen einmal ganz besonders anschauen. Da ich als Kind ein wenig sehen konnte, überlege ich mir manchmal, wie ein Mensch, dessen Stimme ich höre wohl aussehen könnte. Es wäre interessant herauszufinden, wie realistisch meine Vorstellungen sind.

2. Sonnenauf- und untergänge am Meer und in der Natur genießen

Naturereignisse wie ein Sonnenuntergang am Meer faszinieren die Menschen schon immer. Für mich ist ein Sonnenuntergang etwas was ich nur aus Erzählungen und Beschreibungen kenne. Der besondere und eindrucksvolle Moment, wenn sich Himmel und Meer rötlich färben bleibt mir somit verwehrt.

3. Ausgedehnte Spaziergänge zu jeder Jahreszeit machen

Jede Jahreszeit hat ihren ganz besonderen Reiz. Ob blühende Blumen im Frühling, buntes Laub im Herbst oder eine Schneelandschaft im Winter; es gibt viel zu entdecken in der Natur. Zwar kann man auch ohne zu sehen die Natur genießen, aber manches lässt sich nur visuell beobachten. Die Farbenvielfalt im Frühling und Herbst würden mich besonders interessieren.

4. In einer warmen Sommernacht Sterne betrachten

Wer liebt sie nicht, diese lauwarmen Sommernächte nach heißen Tagen? Wenn man den ganzen Tag draußen war und abends gegrillt hat?

Wie schön, wenn man dann auf einer freien Wiese entspannen kann.

Als ich noch etwas sehen konnte, hab ich mich in solchen Nächten immer gefreut, wenn ich den Mond und an manchen Tagen auch die Sterne als kleine Leuchtpunkte sehen konnte. Wenn ich jetzt sehen könnte, würde Sterne gucken am Meer oder in der Natur sicherlich zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehören.

5. Die beleuchtete Skyline von Großstädten bewundern

Großstädte werben meistens mit ihrer beeindruckenden Skyline. In meiner Vorstellung sind erleuchtete Wolkenkratzer, Glasfassaden, Schlösser oder Burgen interessant zu beobachten. Schon als Kind fand ich es immer faszinierend die Straßenbeleuchtungen von Städten zu beobachten.

6. Weihnachtsmärkte bestaunen

Die Adventszeit ist jedes Jahr besonders. In den Städten warten hell erleuchtete und weihnachtlich geschmückte Weihnachtsmärkte auf die Besucher. Aber auch zu Hause werden die Häuser mit Kerzen und Lichterketten dekoriert.

Die vielen Lichter rund um Weihnachten vermisse ich mit am meisten. Zu gerne würde ich noch einmal die vielen Lichter an Weihnachten sehen.

7. Bücher und Zeitungen lesen

Der Geruch von druckfrischem Papier und das Gefühl beim umblättern einer Seite. Alles Dinge, die für die meisten blinden Menschen Seltenheitswert besitzen. Zwar gibt es dank der Blindenschrift auch für blinde Menschen Bücher und Zeitungen, allerdings sind bisher die aller wenigsten Bücher umgewandelt. Hat man dann mal ein Blindenschriftbuch gefunden sorgen Unhandliche Größe und Gewicht nicht gerade für großes Lesevergnügen. Als Alternative bleibt dann meist nur sich die gewünschte Literatur digital von einer monotonen Computerstimme vorlesen zu lassen. Keine besonders schöne Option im Vergleich zum Lesen mit den Augen.

Des Weiteren ist es für mich eine tolle Vorstellung einfach mal in einer Bibliothek nach interessanten Büchern zu stöbern und das zu lesen, was einen interessiert und nicht nur das was zufällig gerade übersetzt ist.

8. Führerschein machen und mit dem Auto durchs Land fahren

Wer ein Auto hat ist mobil und flexibel. Und wer mobil ist, besitzt ein hohes Maß an individueller Freiheit. Nichts ist schlimmer, als an einen bestimmten Ort gebunden zu sein, weil man nicht mobil ist.

Öffentliche Verkehrsmittel geben mir zwar auch ein großes Stück Mobilität, aber nicht die Freiheit zu jeder Zeit da hinzugehen, wo ich gerade möchte. Eine gewisse Abhängigkeit bleibt bei der Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittelimmer bestehen.

9. In Fotoalben, und Instagram-Stories stöbern

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Egal ob Fotoalben oder in den Sozialen Netzwerken; Fotos und Bilder sind ein wesentlicher Bestandteil unseres Lebens. Für blinde Menschen bleibt die Bilderwelt weitestgehend verschlossen, auch wenn es mittlerweile einige Apps und Programme gibt, die sich in Bildbeschreibungen versuchen. Blinde Menschen bekommen so zumindest in groben Ansatz eine Idee von dem, was sich auf einem Foto befindet. Vergleichbar mit einer sehenden Person, die ein Bild in allen Einzelheiten anschauen kann, ist dies aber nicht.

10. Netflix & chillen

Das Serienschauen erfreut sich großer Beliebtheit. Nicht wenige verlieren sich Tage lang im Serien schauen. Für blinde Menschen sind jedoch die meisten Inhalte eher uninteressant, da es keine Bildbeschreibungen gibt.

11. Barrierefrei studieren

Endlich einmal schon zu Semesterbeginn die gesamte benötigte Literatur haben, in Seminaren und Vorlesungen ohne größere Schwierigkeiten mitkommen und mich problemlos auf dem Campus zurechtfinden. EinigeHerausforderungen im Studium wären ohne Blindheit vermutlich einfacher zu bewältigen. Studieren mit Blindheit macht mir zwar Spaß, ist jedoch nicht immer einfach.

12. Schoppen gehen und herausfinden, welcher Kleidungsstil zu mir passt

Steht mir das gelbe T-Shirt besser oder das Rote? Und welche Hose gefällt mir am meisten? Für sehende Menschen sind das ganz normale Fragen. Blinde Menschen hingegen haben es mit solchen Fragen deutlich schwieriger.

Es ist für mich selbständig kaum möglich herauszufinden, ob ein Kleidungsstück zu mir passt oder nicht. Das einzige was ich im begrenztem Maße wahrnehmen kann, ist inwiefern sich Kleidungsstücke unterschiedlich anfühlen, weil sie aus unterschiedlichen Materialien bestehen. Ob meine Kleidung farblich zusammenpasst und mir steht, weiß ich nur wenn sehende Menschen mich beraten. Selbstständig einen eigenen Style finden und damit auch ein Stück Identität ist kaum möglich.

Auch wenn das Leben mit Blindheit so manche Schwierigkeiten bereit hält, bin ich trotzdem glücklich. Die Dinge, die vielleicht schöner und einfacher wären, wenn ich etwas sehen könnte, halten mich jedenfalls nicht davon ab ein glückliches und positives Leben zu führen. Mein Leben ist nicht immer einfach und keineswegs perfekt, aber gut so wie es ist.

Blind im Alltag: Putzen und verwalten der Post

Mal eben Brötchen beim Bäcker um die Ecke holen, einen Stadtbummel in der Innenstadt machen oder die Wohnung sauber putzen. Eigentlich ganz alltägliche Dinge, die nicht der Rede wert sein sollten. Doch mit einer Behinderung können gerade diese Kleinigkeiten zur Herausforderung werden. In der mehrteiligen Serie „Blind im Alltag“ zeige ich euch, wie man ohne sehen zu können die kleinen und großen Hürden des Alltags meistern kann und wo man wegen der Behinderung an seine Grenzen stößt.
Im zweiten Teil geht es um die ThemenPutzen und sonstige Haushaltsführung.

Können Blinde Menschen selbständig ihre Wohnung sauber halten? Wie lesen sie ihre Post? Und wie ist es mit Wäsche waschen und sortieren? Diese und noch weitere Fragen werden im folgenden Artikel beantwortet.

Putzen
Das Thema Putzen zählt für blinde Menschen zu den größeren Herausforderungen im Alltag. Die Problematik liegt darin, dass blinde Menschen einerseits nicht immer herausfinden können, ob die Wohnung gerade besonders dreckig ist oder nicht. Andererseits ist es schwer zu kontrollieren, ob eine geputzte Fläche bereits sauber ist oder nicht.

Der erstgenannten Herausforderung kann man durch regelmäßiges Putzen der Wohnung vorbeugen. Liegt in einer Wohnung relativ viel Staub oder sonstiger Dreck lässt sich dieser relativ gut erfühlen beziehungsweise erspürt werden, wenn man durch die Wohnung läuft. Auch besonders klebrige Stellen lassen sich gut von blinden Menschen herausfinden und beseitigen. Der „normale“ Dreck hingegen ist für blinde Menschen weitaus schwieriger aufzuspüren. Hier hilft dann nur das Putzen und sauber machen auf Verdacht.

Viel schwieriger ist es herauszufinden, ob der Boden nach dem Putzen wirklich sauber geworden ist, oder ob man um die dreckigen Stellen herum gewischt hat, Eine Methode, die blinden Menschen garantiert, dass der Bodenbeim Putzen definitiv komplett sauber wird gibt es nicht. Jedoch kann man sich bestimmte Techniken aneignen, um möglichst viele Stellen auf dem Boden zu erreichen. Beispielsweise kann man einen Raum gezielt in mehreren Bahnen von vorne nach hinten Wischen. So kann man ziemlich sicher sein, dass man über die meisten Stellen darübergewischt hat.

In speziell für blinde Menschen entwickelten Schulungen kann man sich bestimmte Techniken für alltägliche Aufgaben wie Putzen oder Kochen antrainieren lassen. Dieses Training inlebensprakktischen Fähigkeiten wird von extra geschulten Personal durchgeführt und wird in der Regel von der Krankenkasse oder anderen sozialen Trägern finanziert. Für blinde Menschen bietet eine solche Schulung die Möglichkeit bestimmte Herausforderungen im Alltag selbstständig zu meistern.

Da aber selbst die beste Methode und das beste Training keine saubere Wohnung gewährleisten kann hohlen sich viele Blinde sehende Hilfe beim Putzen. Viele empfinden die Ungewissheit, ob ihre Wohnung ausreichend sauber ist als unangenehm und wollen sicher gehen, dass die eigenen vier Wände regelmäßig ausreichend gesäubert werden. Oftmals finden blinde Menschen Unterstützung in der Familie oder im Freundeskreis. Falls dies nicht der Fall ist besteht die Möglichkeit eine Haushaltshilfe zu engagieren, die unteranderem beim Putzen behilflich sein kann. Auch hier besteht die Möglichkeit, dass eine solche Assistenz von sozialen Trägern finanziert wird. Eine weitere Finanzierungsmöglichkeit besteht im monatlichen Blindengeld, welches blinde Menschen erhalten, um durch die Blindheit verursachte Mehrkosten abzudecken. Die Höhe des Blindengeldes variiert teilweise erheblich zwischen den einzelnen Bundesländern. Tendenziell ist die finanzielle Unterstützung in den westlichen Bundesländern wesentlich höher als in den östlichen Landesteilen.

Ein wenig einfacher ist es, wenn Flächen wie ein Tisch oder eine Arbeitsplatte gesäubert werden sollen. Einfacher deshalb, weil die zu putzende Fläche wesentlich kleiner und damit für blinde Menschen auch viel übersichtlicher ist, als ein großer Raum. Hier bietet sich die Möglichkeit, nach dem putzen über die Fläche zu tasten. Gibt es noch eine unsaubere Stelle kann diese ertastet werden und noch einmal gewischt werden. Mit dieser Taktik lassen sich auch relativ gut Fenster, Spiegel, Waschbecken oder Geschirr säubern.

Eine weitere Schwierigkeit besteht in dem Problem, dass blinde Menschen ohne weiteres nicht in der Lage sind herauszufinden, welches Putzmittel sich in welcher Flasche befindet. Viele Flaschen fühlen sich sehr ähnlich an und verfügen über keine Beschriftung in Blindenschrift. Diese kann aber von einer blinden Person nachträglich angebracht werden. Man kann sich aber auch ein bestimmtes System überlegen und die einzelnen Flaschen in einer bestimmten Reihenfolge im Schrank positionieren.

Generell lässt sich sagen, dass es ja immer auch Ansichtssache ist, ob eine Wohnung ausreichend sauber geputzt ist oder nicht. Viele blinde wissen, das Putzen für sie eine größere Herausforderung ist und sind damit zufrieden, wenn sie selbstständig regelmäßig ihre Wohnung putzen. Viele ist eine Wohnung, die vielleicht nicht jeden Tag vor Sauberkeit glänzt lieber, als eine blitz blanke Wohnung, die von jemand anderem geputzt wurde.
Wäsche waschen und sortieren

Beim Thema Wäsche waschen gibt es ebenfalls einige Herausforderungen, wenn auch nicht ganz so gravierende wie beim Putzen.
Die größte Herausforderung ist des Öfteren die Bedienung der Waschmaschine. Wie bereits im ersten Teil der Serie erläutert sind vor allem moderne Haushaltsgeräte für blinde Menschen kaum oder gar nicht bedienbar, da sie mit einem Touchscreen gesteuert werden müssen. Eine Bedienung mit gut fühlbaren Tasten und Knöpfen findet man in der Regel nur noch bei älteren Geräten vor. Hat man eine gut bedienbare Waschmaschine kann man diese mit Markierungspunkten so manipulieren, dass man auch ohne sehen zu können den richtigen Waschgang einstellen kann. Schwierigkeiten treten auch auf, wenn man die Wäsche vor dem Waschen nach 30°C- und 60°C-Wäsche sortieren möchte. Hier hilft oft nur das auswendig lernen.
Problematischer ist die Sortierung nach Farben. Um zu vermeiden, dass sich die Wäsche verfärbt ist es auch für blinde Menschen wichtig, darauf zu achten, dass die Wäsche nicht bunt gemischt in der Maschine landet. Hierfür gibt es spezielle Apps, die mithilfe der Kamera erkennen können, welche Farbe ein Kleidungsstück hat. Das Problem ist, dass diese Apps nicht immer besonders zuverlässig arbeiten und somit die Gefahr der Verwechslung besteht. Um die Wäsche grob zu sortieren reichen die Apps jedoch in der Regel völlig aus. Ansonsten kann man sich auch hier sehende Unterstützung suchen.

Ist die Wäsche erst einmal in der Waschmaschine gibt es keine größeren Herausforderungen mehr, die durch die Blindheit entstehen können. Das Aufhängen funktioniert bei blinden Menschen genauso gut wie bei sehenden Menschen. Auch das Zusammenlegen und Sortieren klappt ohne größere Schwierigkeiten. Das blinde Personen ihre im Kleiderschrank Wäsche in der Regel nicht nach Farbe sortieren versteht sich von selbst.

Verwalten der Post und anderen Dokumenten

Neben Putzen und Wäsche waschen gibt es noch weitere Aufgaben in einem Haushalt, die für blinde Menschen teilweise zu großen Hürden werden können. Eine solche Hürde ist zum Beispiel das Verwalten der eigenen Post. Briefe werden meistens in Papierform und in Schwarzschrift zugestellt. Heißt also in unbarrierefreier Form. Blinde Menschen stehen also vor dem Problem, dass sie ihre Post ohne Hilfsmittel oder Unterstützung nicht selbstständig lesen und beantworten können.
Was das Lesen betrifft gibt es mittlerweile einige Apps, die die Texte mit der Kamera des Smartphone einscannen können. Anschließend kann man sich den Text über den Screenreader vorlesen lassen. Ähnlich wie bei den Farberkennungsapps ist hier jedoch das Problem, dass die meisten Programme nur unzuverlässig Resultate liefern. Dies ist allerdings gerade bei wichtigen Briefen problematisch, da es wichtig ist, die Informationen aus der Post vollständig zu erhalten. Deshalb müssen blinde Menschen des Öfteren auch hier wieder auf die Unterstützung von sehenden Menschen zurückgreifen. Wenn es im Familien- oder Bekanntenkreis niemanden gibt, der diese Unterstützung leisten kann ist die Durchsicht der Post eine typische Aufgabe für eine Alltagsassistenz. Für viele ist die Inanspruchnahme einer Alltagsassistenz gerade beim Thema Postverwaltung unangenehm, da somit auch vertrauliche Informationen offengelegt werden können.

Schwierigkeiten gibt es auch, wenn Formulare ausgefüllt werden sollen. Anders als beim bloßem Lesen der Post gibt es hier noch keine App, die blinde Menschen hierbei unterstützt. Dies ist also nur mit sehender Hilfe möglich.
Einfache Antworten oder Anträge können dagegen von blinden Menschen selbstständig am Computer formuliert und ausgedruckt werden.

Abschließend lässt sich sagen, dass viele Aufgaben im Haushalt nur mithilfe von sehenden Menschen bewältigt werden können. Schulungen und die Aneignung von speziellen Techniken ermöglichen blinden zwar in einigen Punkten ein gewisses Maß an Selbstständigkeit, jedoch kommt man besonders beim Putzen und der Verwaltung von wichtigen Dokumenten oder der Post an seine Grenzen. Die Frage nach der Selbstständigkeit richtet sich allerdings auch im erheblichem Maße nach der Persönlichkeit . Es gibt Blinde Menschen, denen die Bewältigung des Haushalts wesentlich leichter fällt.

In wie fern man trotz der Hürden die Aufgaben selbstständig bewältigt oder Hilfe von sehenden Menschen in Anspruch nimmt hat zu guter letzt auch viel mit der eigenen Persönlichkeit zu tun. Es gibt die Möglichkeit eine Alltagsassistenz zu engagieren. Dies bedeutet jedoch, dass man sehr viel von seinem Privatleben einer fremden Person offenbaren muss. Sich den Herausforderungen zu stellen und sie weitestgehend selbstständig zu meistern ist für viele Blinde Personen auch eine Frage der Lebensqualitätund des Selbstwertgefühls.

Im dritten Teil der Serie „Blind im Alltag“ wird es um das Thema Mobilität und Orientierung außerhalb der Wohnung gehen.

Warum ein Ausflug ins Grüne hilft die eigene Behinderung zu akzeptieren

Die Temperaturen steigen, die Sonne scheint wieder häufiger und die Menschen verbringen endlich wieder viel Zeit im Freien. Was gibt es bei sommerlichen Temperaturen schöneres, als einen ausgedienten Spaziergang durch Kassels Parks zu unternehmen?

Im folgenden Artikel liest du, warum ich so gerne spazieren gehe, was ein Ausflug in die Natur mit Inklusion zu tun hat und warum ein Spaziergang im Grünen mir dabei hilft meine Blindheit besser zu akzeptieren und damit umzugehen.

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