Warum auch ein Leben mit Behinderung Lebenswert ist

Viele Menschen ohne Behinderung reagieren oft mit Mitleid, wenn sie einer Person mit Behinderung begegnen. Als blinder Mensch muss ich mir regelmäßig Sätze wie „Du hast ja ein schlimmes Leben.“ oder „Ich könnte nicht mit dieser Behinderung leben.“ anhören. Dabei ist mein Leben trotz Behinderung nicht weniger Lebenswert und schön, wie ein Leben ohne Behinderung. Warum das so ist erkläre ich dir in diesem Artikel.

Blind und trotzdem glücklich

Ich habe eine Behinderung, die mich schon mein ganzes Leben begleitet. Ich bin blind. Seit 15 Jahren sehe ich auf beiden Augen nichts mehr, zuvor konnte ich zumindest auf dem rechten Auge ein kleines Bisschen sehen. Mein Schwerbehindertenausweis bescheinigt mir einen Behinderungsgrad von 100%, die höchste Stufe, die es gibt. Und das Leben mit Behinderung ist an vielen Tagen weder einfach, noch wirklich schön.Um ganz ehrlich zu sein, oft ist es einfach nur frustrierend, deprimierend und schlimm. Mein Alltag ist voller Herausforderungen und unüberwindbaren Hindernissen, die ich ohne die Behinderung vermutlich nicht hätte. Und trotzdem behaupte ich von mir selbst glücklich zu sein. Ich bin glücklich trotz und gerade wegen der Behinderung. Und ich bin glücklich, ob man mir es glauben mag oder nicht.

Glück mehr als nur ein Gefühl

Aber was heißt es glücklich zu sein? Bin ich nur glücklich wenn es mir gut geht? Und Was brauche ich zum glücklich sein? Für mich persönlich ist Glück mehr als nur ein Gefühl, was sich spontan einstellen kann und ebenso spontan wieder verschwinden kann. Und Glück hat für mich auch wenig mit materiellem Besitz oder körperlicher Unversehrtheit zu tun. Glücklich zu sein ist für mich eher eine Art Lebenseinstellung. Glücklich zu sein bedeutet für mich meinen Blick auf die positiven Dinge im Leben zu richten und dankbar für diese zu sein. Und an positiven Sachen gibt es auch im Leben eines Blinden eine ganze Menge. Ich habe zum Beispiel eine Familie, die mich seit meiner Kindheit liebt und unterstützt und ich habe Freunde fürs leben, die immer da sind, wenn ich sie Brauche. Diese Lieste könnte ich jetzt noch ewig weiterführen.

Die entscheidende Frage ist, ob ich mein Leben von negativen Gedanken und Vorurteilen bestimmen lasse oder ob es mir gelingt den positiven Dingen im Leben mehr Gewicht zu geben. Das klingt jetzt vielleicht nach einem super einfachen Rezept, was man immer und zu jeder Zeit schnell anwenden kann und damit ohne Krisen durchs Leben kommt. Ich kann dir verraten: genau das ist es nicht.

Wenn die Blindheit zur Belastung wird

Das Leben ist nie immer nur einfach, schön und eine Leiter auf der es nur nach oben geht. Harte Zeiten in denen man das Gefühl hat das gerade nichts positives passiert und es Berg ab geht gehören auch zum Leben dazu. Nicht anders geht es mir da im Umgang mit meiner Blindheit. Es gibt Tage, an denen sich die Blindheit wie eine große Belastung anfühlt. Tage, an denen sich das Leben mit dieser Behinderung wie ein unüberwindbarer Berg anfühlt. An solchen Tagen will es mir einfach nicht gelingen den Blick auf positive Dinge zu lenken. Dann fühlt sich dieses Handicap einfach unerträglich an und ich möchte am liebsten Gott und meine gesamte Umwelt anklagen. Meine Antwort auf solche Tage heißt: auch solche Gefühle für diesen Moment einfach mal zu- und rauslassen. Als Kind und Jugendlicher habe ich immer versucht negative Gefühle über meine Blindheit zu verdrängen.. Ich wollte immer der sein, der nie traurig ist, seine Behinderung absolut unter Kontrolle hat und die Herausforderungen des Lebens mindestens genau so meistert wie Menschen ohne Behinderung. Negative Gefühle zu empfinden habe ich oft als eigene Schwäche gewertet. Heute als Erwachsener weiß ich, dass verdrängen keine gute Strategie ist. Ich habe gelernt zuzugeben, wenn es mir nicht gut geht und ich habe Wege gefunden negative Gedanken herauszulassen und sie zu verarbeiten. Ob ein ausgedehnter Spaziergang durch den Park, ein Stadtbummel oder ein gutes Gespräch mit Freunden; es gibt mittlerweile viele Möglichkeiten mich aus solchen negativen Gedankenstrudeln zu befreien.

Wenn man nur auf die Blindheit reduziert wird

Jetzt habe ich viel über meinen eigenen Umgang mit der Blindheit gesprochen, aber wie sieht es eigentlich bei meinen Mitmenschen aus, wenn sie mit meiner Behinderung konfrontiert werden? Um ehrlich zu sein; sehr oft erlebe ich Skepsis und nicht selten auch Ablehnung, weil ich blind bin. Nicht immer sind Skepsis und negative Vorurteile böse gemeint, die aller meisten Menschen haben keine Erfahrungen mit blinden Menschen gemacht und reagieren deshalb zunächst zurückhaltend auf mich. Schwierig ist es für mich trotzdem mit dieser Zurückhaltung umzugehen. Und es ist auch alles andere als schön, wenn meine Behinderung jedesmal das auffälligste Merkmal ist, was anderen Menschen an mir auffällt. Vor einigen Tagen war ich in der Arztpraxis meines Hausarztes. Als ich gerade dabei war mich in die Warteschlange einzureihen rief eine der Krankenschwestern: „Ach da ist ja wieder der Blinde!“ Für einen kurzen Moment wurden alle Gespräche in der Praxis unterbrochen und ich habe gespürt wie sich alle zu mir umgedreht haben un „den Blinden“ zu sehen. Sicher hat es die Krankenschwester alles andere als böse gemeint. Vielleicht wollte sie die herumstehenden Leute mit ihrem Ausruf nur zu mehr Vorsicht aufrufen. Für mich war es trotzdem eine sehr verletzende und unangenehme Situation. Ich möchte nicht „Der Blinde“ sein. Ich bin Johannes Schneider, 25, Student, Fußball-Fan, manchmal unordentlich, Humorvoll, Dunkelhäutig und auch blind… Es gibt so viele Dinge, die mich als Mensch ausmachen. Sicher gehört die Blindheit da auch dazu, aber sie ist nicht das, Einzige, was mich zu dem Menschen macht der ich bin.

Wenn ich samstags Schalke 04 und Eintracht Frankfurt in der Bundesliga anfeuere hat das nichts mit meiner Blindheit zu tun. Wenn ich mit meinen Freunden in einer Cocktailbar sitze ist es egal ob ich blind bin oder nicht. Und auch wenn ich Texte für die Uni lese macht meine Blindheit keinen Unterschied.

Ich spiele Fußball im Verein, ich bin Student, habe einen tollen Freundeskreis, konnte mein Abitur als Inklusionsschüler schreiben und genieße das Leben im Ruhrgebiet. Das soll kein auflisten von Erfolgen sein mit denen ich prahlen will, sondern nur zeigen, dass es in meinem Leben weit mehr gibt als nur die Behinderung.

Und trotzdem wird es immer Menschen geben, für die ich nur „Der Blinde“ bin und bleiben werde. Wenn Menschen nichts mit einem zu tun haben wollen nur weil man eine Behinderung hat tut das einfach nur weh. Wenn langjährige zwischenmenschliche Beziehungen in die Brüche gehen weil Menschen in dir nur das Handy-Cap sehen ist da nichts als Schmerz und Frust der bleibt. Wenn an der Uni oder früher in der Schule Partys gefeiert werden und du ausgeladen wirst mit der Begründung wir wollen keine Belastung haben und blinde können ja sowieso nicht spaß haben fühlst du dich machtlos und beginnst dich und die Behinderung selbst abzulehnen.

Doch wie geht man damit um? Wie so oft gibt es auch hierfür kein Rezept, welches man immer und unkompliziert anwenden kann. Was mir am besten hilft zu versuchen meinen Selbstwert weder von meiner Blindheit, noch von den Meinungen anderer Menschen abhängig zu machen. Auch das ist nicht immer einfach. Das zu beherzigen und zu verinnerlichen ist eine Aufgabe fürs Leben. Aber ich kann versuchen jeden Tag besser darin zu werden.

Letztlich ist es sowieso so, dass ich nicht darüber entscheiden kann was andere Menschen über mich denken. Wenn jemand in mir nur den Blinden sieht und den Kontakt deshalb ablehnt kann ich nur versuchen mich davon nicht soweit beeinflussen zu lassen, dass ich in mir auch nur noch die Behinderung sehe. Gleiches gilt für andere Situationen, in denen ich nur auf die Behinderung reduziert werde.

Helfen können hierbei in erster Linie Familie und Freunde. Es tut gut in einem Umfeld zu Leben, in dem meine Behinderung keine große Rolle spielt. Mein Umfeld vermittelt mir das Gefühl, dass mein Leben genauso viel Wert ist wie alle anderen.

Für mich bedeutet dies in erster Linie: Veränderung beginnt bei mir selbst. ich möchte selbst stärker darin werden meine Behinderung so anzunehmen wie sie ist und das Beste daraus machen. ich möchte selbst stärker darin werden meine Behinderung so anzunehmen wie sie ist und das Beste daraus machen. Viele Menschen haben mir gesagt, dass mich meine Blindheit zu einem besonderen Menschen macht, aber dass sie darin hauptsächlich positive Dinge und Eigenschaften in mir sehen. Genau das ist auch meine Einstellung: natürlich gehört die Blindheit zu meinem Charakter dazu und macht mich in manchen Situationen vielleicht auch ein bisschen besonders, aber das muss ja nicht automatisch negativ sein. Vielmehr möchte ich die positiven Besonderheiten der Blindheit nutzen. Und vielleicht gelingt es mir ja genau das nach außen hin aus zu strahlen und somit die ein oder anderen Vorurteile gegen das Handikap zu beseitigen.

Kommentar zum neuen Studierendenhaus der Uni Kassel: An Menschen mit Behinderung wurde zu wenig gedacht

Anfang November 2019 fand die feierliche Neueröffnung des Studierendenhauses der Universität Kassel statt. In dem neuem Gebäude finden in Zukunft der ASTA mit seinen Referaten und ein Kulturzentrum für Konzerte und andere Veranstaltungen Platz. Bei der Planung wurden Studierende mit in den Prozess eingebunden, da es ein Haus für alle Studierende werden sollte. Perspektivwechsel hat sich im neuen studentischen Zentrum umgesehen und fühlt sich aufgrund der mangelnden Barrierefreiheit nicht wirklich willkommen. Es gibt noch viel zu tun, wenn das Studierendenhaus wirklich ein Ort für alle Studierende werden soll.

Viel Lob gab es in den vergangenen Wochen für die Universität Kassel. Mit der Neueröffnung des Studierendenhauses auf dem Nordcampus habe man das studentische Leben in Kassel bereichert und eine Vorbildfunktion für andere Universitäten in Deutschland übernommen. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude, welches sich in einer ehemaligen Textilfabrik befindet, wurde aufwendig saniert und steht nun dem Allgemeinem Studierendenausschuss (ASTA) mit seinen Referaten zur Verfügung. Des Weiteren befindet sich in der unteren Etage ein Kulturzentrum, indem Konzerte, Partys und andere Events stattfinden sollen.

Erhebliche Mängel bei Barrierefreiheit

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Inklusion in der Schule: Ein Erfahrungsbericht

Viel wird über die Vor- und Nachteile von Inklusion in der Schule diskutiert. Die einen plädieren dafür, dass jedes Kind mit Behinderung zwangsläufig mit nicht behinderten Kindern unterrichtet werden sollte. Die Gegenseite argumentiert vor allem damit, dass Inklusionsschüler das Leistungsniveau einer Klasse drastisch nach unten ziehen. Nicht behinderte Kinder könnten somit zu wenig gefördert werden. Doch wie erleben Inklusionsschüler selbst Inklusion? Von der dritten Klasse bis zum Abitur war ich Inklusionsschüler und berichte nun von meinen persönlichen Erfahrungen, Erlebnissen und Gefühlen.

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Wie nehmen blinde Menschen andere Menschen wahr?

Ein auffälliges Gesicht, besonders schöne Kleidung oder eine markante Frisur. Es gibt viele Merkmale, auf die sehende Menschen bei anderen besonders achten. Aber wie nehmen blinde Menschen andere Menschen wahr? Welche Merkmale helfen blinden Menschen dabei mehrere Gesprächspartner voneinander zu unterscheiden und wieder zu erkennen? Und auf welche Eigenschaften achten blinde Menschen bei der Partnersuche?

Antworten gibt es in diesem Beitrag.

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Warum studieren mit Blindheit nicht immer einfach ist

Wenn Menschen davon hören, dass ein blinder Mensch trotz der Behinderung studiert, sind viele Menschen erst einmal überrascht und fragen sich wie das überhaupt funktionieren kann. Nicht selten schlägt anfängliche Überraschung und Skepsis sehr schnell in große Bewunderung für den blinden Menschen und seine Leistung um. Doch die vielen Schwierigkeiten und Kämpfe, die ein Studium mit Behinderung so mit sich bringen, bleiben oft im Verborgenen. Doch dieser Beitrag soll gerade von den Schwierigkeiten und Kämpfen berichten, die einen Blinden während dem Studium ständig begleiten.

Verloren auf dem Campus

Das Gefühl, sich auf dem Campus der Universität Kassel verlaufen zu haben, kennt vermutlich jeder, der schon einmal eine Veranstaltung an der Uni besuchen musste. Die vielen verwinkelten Gassen bringen irgendwann jeden einmal zur Verzweiflung. Während für sehende Menschen dann immer noch Google-Mapps oder ein Lageplan des Campus weiterhelfen könnte, bin ich als Blinder oftmals aufgeschmissen. Mal eben zwischen zwei Veranstaltungen das Gebäude wechseln oder sich in einer Pause mal einen Kaffee in der Cafeteria holen, wird somit zur Herausforderung und nicht selten auch zur unlösbaren Aufgabe. Da sich ein blinder Mensch wesentlich stärker auf seinen Weg konzentrieren muss, als ein sehender Mensch, ist es oftmals auch mit einer nicht zu unterschätzenden Anstrengung verbunden, wenn ich mich alleine über den Campus bewege. Kommt dann auch noch Zeitdruck dazu, weil die nächste Veranstaltung schon bald wieder beginnt, muss ich öfter vor dieser Herausforderung kapitulieren und auf einen Kaffee verzichten.
Die einzige Möglichkeit die mir bleibt ist Kommilitonen zu fragen, ob sie mich von A nach B begleiten können. Diese Methode funktioniert zumeist sehr zuverlässig. Es gibt eigentlich immer jemanden, der den gleichen oder zumindest einen ähnlichen Weg hat wie ich und mich mitnehmen kann. Verlass ist zudem auch immer auf meinen Freundeskreis an der Uni, die mir helfen meine Räume und Wege zu finden. Was trotzdem bleibt ist ein Gefühl der Unselbstständigkeit und Abhängigkeit von anderen Menschen. Es ist nicht immer einfach zu akzeptieren, dass man selbst Kleinigkeiten wie einen Kaffee kaufen nicht ohne sehende Hilfe ausführen kann. Zudem kostet es manchen Tagen auch große Überwindung sich selbst und vor anderen Menschen einzugestehen, dass man Hilfe benötigt. Das Gefühl der Abhängigkeit wird dann sehr schnell zur erdrückenden Belastung. Außerdem kommt dann des Öfteren noch die Angst hinzu, dass ich für meine Kommilitonen nur eine Belastung sein könnte, wenn ich sie um Hilfe bitte. Diese Gründe führen nicht selten dazu, dass ich auf besagten Kaffee verzichte oder orientierungslos auf dem Campus herumlaufe um Selbstständigkeit zu trainieren und keine Belastung zu sein.

Rein logisch betrachtet gibt es zumindest für die Angst eine Belastung zu sein keine Begründung. Ganz im Gegenteil: Die allermeisten Menschen sind sehr hilfsbereit und der Großteil meines Freundeskreises habe ich kennen gelernt, als ich die zukünftigen Freunde um Hilfe gebeten hatte. Und trotzdem lassen sich die bereits beschriebenen Gefühle an einigen Tagen nicht abstellen oder verdrängen.

Wenn die Literatur nicht barrierefrei ist Über die Schwierigkeiten barrierefreie Literatur zu beschaffen, habe ich bereits Hier etwas geschrieben.

Die Grundproblematik besteht darin, dass es einen Großteil der benötigten Literatur nicht in digitaler barrierefreier Form gibt. Die Kursliteratur muss dann extra digitalisiert und barrierefrei ausgearbeitet werden, damit ich arbeiten kann. Dies ist allerdings sehr Zeitaufwändig und führt öfter dazu, dass ich die Literatur erst in der Mitte oder sogar am Ende des Semesters erhalte. Eine ordentliche Mitarbeit wird somit von vornherein deutlich erschwert.

Höherer (Zeit-) Aufwand

Als Studierender mit einer Behinderung muss man mit deutlich mehr Aufwand rechnen, als ein Studierender ohne Behinderung. Dies gilt sowohl für den zeitlichen Aspekt, als auch für die Energie, die man in das Studium investieren muss.

Was den zeitlichen Aspekt angeht, lässt sich in etwa feststellen, dass ich für die Vor- und Nachbereitung eines Seminares ungefähr zwei bis drei mal so viel Zeit benötige wie meine sehenden Kommilitonen.

Dies liegt daran, dass sehende Menschen ihre Literatur um ein Vielfaches schneller durcharbeiten können als blinde Menschen. Ein sehender Mensch kann einen Text nach Überschriften gliedern und überfliegen und sich die wichtigsten Stellen markieren. Als Blinder kann man den Text in der Regel nicht nach Überschriften gliedern und überfliegen und sich auch keine wichtigen Stellen markieren. Heißt also, dass die Textarbeit für blinde Menschen wesentlich zeitaufwändiger und auch anstrengender ist. Dadurch, dass ich keine Markierungen vornehmen kann, muss ich mir deutlich mehr merken.

Gleiches gilt für das Verfassen von Hausarbeiten, Aufsätzen oder Referaten. Literatur heraussuchen und diese dann nach Wichtigkeit filtern ist sehr viel schwieriger und zeitaufwändiger für einen Blinden. Der Nachteilsausgleich, Der Menschen mit Behinderungen bei Prüfungen oftmals mehr Zeit einräumt trägt dieser Schwierigkeit zumindest teilweise Rechnung.

Kontaktaufnahme mit anderen Kommilitonen

Eine weitere Schwierigkeit liegt in der Verunsicherung von vielen sehenden Menschen, wenn sie mit einem blinden Menschen zu tun haben. Viele meiner Kommilitonen haben noch nie Kontakt zu einem blinden Menschen gehabt und wissen dem entsprechend oft nicht, wie sie mit dieser neuen Situation umgehen sollen. Bei vielen kommt dann auch noch die Angst dazu, dass sie etwas falsch machen oder unsensibel sein könnten. Dies führt dann oft dazu, dass sie zurückhaltend und sehr vorsichtig auf mich reagieren. Bestimmte Vorurteile können dazu führen, dass ich von Freizeitaktivitäten wie beispielsweise feiern gehen oder sonstige Treffen mit dem Hinweis ausgeschlossen werde: „Dies sei doch nichts für einem Blinden!“ Diese Ausgrenzung ist immer sehr unangenehm.

Einerseits sind die Vorurteile zumeist nicht zutreffend. Ein blinder Mensch kann genauso gut feiern gehen, sich mit Freunden treffen, etwas trinken gehen oder bei einem Spieleabend mitspielen wie sehende Menschen.

Andererseits entsteht somit oft das Gefühl, dass meine Blindheit zwischen mir und meinen Kommilitonen steht. Dieses Gefühl macht sich dann oftmals in dem empfinden ziemlich einsam und verloren als Blinder unter den vielen Sehenden zu sein. Um so schöner ist es dann, wenn diese Vorurteile beseitigt werden können und ich ganz normal mit meiner Behinderung akzeptiert werde und diese gar keine Rolle mehr spielt.

Und trotzdem liebe ich mein Studium

Vielleicht wird sich der ein oder andere nach lesen des Textes nun fragen, ob ein Studium unter diesen Bedingungen überhaupt Spaß machen kann. Diese Frage kann ich mit einem klaren JA beantworten! Trotz der vielen Herausforderungen und Schwierigkeiten gibt es auf der anderen Seite auch eine ganze Menge an positiven Dingen, die Das Studentenleben attraktiv und positiv machen. Nach einem Semester an der Universität Kassel kann und darf ich zufrieden sagen, dass ich mich gut eingelebt habe. Außerdem habe ich einige sehr gute Freunde gefunden, die mich mit meiner Behinderung so akzeptieren und stets bemüht sind mich im Studium und auch da rüber hinaus so gut sie können zu unterstützen. Mit diesem Rückhalt lassen sich auch die größten Schwierigkeiten bewältigen.

Natürlich gibt es diese Tage, an denen mich meine Behinderung stark deprimiert und wie eine schwere Last auf meinen Schultern liegt. Aber unterkriegen lassen möchte ich mich davon nicht, so groß die Herausforderungen auch sein mögen.

Weiteres Über den Alltag eines blinden Studenten an der Universität Kassel kannst du Hier nachlesen.